There´s a message in the mess

Dieses Jahr wird spannend. Denn ich werde versuchen, jeden Monat Menschen zu treffen, die gerade etwas richtig gutes auf die Beine stellen (oder schon gestellt haben), die über den Tellerrand schauen, die sich was trauen und deren Ideen und Projekte mich begeistern.

#sachenmachen heißt die Aktion und den Anfang machen zwei Menschen, die letzten Sommer den Ruhrpott hinter sich gelassen haben, um dort hinzugehen, wo Subkultur noch echte Rebellion bedeutet. Kurz vorm Start ihres Crowdfundings habe ich Diana Ringelsiep und Felix Bundschuh in ihrem Büro in Essen besucht, um zu erfahren, wie die Idee zu „A Global Mess“ entstanden ist, wie gut sich die beiden im Büroalltag ergänzen und welcher Abend ihrer gemeinsamen Reise ihnen in besonderer Erinnerung geblieben ist.

Wo wart ihr heute vor einem Jahr?

Felix:
Das kann ich lustigerweise genau sagen. Ich war in meiner Funktion als Musikmanager bei einer TV-Aufzeichnung in Berlin: „Schlagerchampions 2018 – Das große Fest der Besten“. Da waren u. a. Andrea Berg, Roland Kaiser und Florian Silbereisen zu Gast. War mega!

Diana: Mit deinem alten Leben möchte ich irgendwie auch nicht tauschen.

Felix: Das Jahr fing ziemlich verrückt und turbulent an. Ich hatte damals überlegt zu kündigen und mir Bedenkzeit über meinen Weihnachtsurlaub eingeräumt. In der zweiten Januarwoche habe ich es dann getan. Am nächsten Tag bekam ich einen Anruf von meiner Mutter, die mir mitteilte, dass mein Vater einen Schlaganfall hatte – kurz nach seinem 60. Geburtstag.

Meine Eltern wohnen in Berlin und ich musste wegen der eingangs erwähnten Produktion ja sowieso hinfahren. Das Krankenhaus war zum Glück bloß fünf Minuten von der Veranstaltung entfernt. Ich bin dann während der Aufzeichnung zu meinem Vater rübergegangen, der mittlerweile auf der Überwachungsstation lag. Das war dann die perfekte Gelegenheit, um meine News zu droppen und ihm von der Kündigung und meinen Reiseplänen zu erzählen.

Man muss dazu sagen, dass mein Vater Naturwissenschaftler ist, ein ganz nüchterner Mensch. Ich erzählte ihm also alles am Krankenhausbett und beobachtete währenddessen seine Werte auf dem Monitor. Ich hatte zwar nicht erwartet, dass es zu krassen Ausschlägen kommen würde, aber mit irgendeinem Zeichen hatte ich schon gerechnet. Zu meiner Überraschung blieb alles komplett unverändert. Er meinte nur: „Schieb deine Träume nicht auf, wenn du das machen willst, musst du das jetzt machen. Guck’s dir an, es kann morgen schon alles vorbei sein.“ Das war heute vor einem Jahr, deshalb weiß ich es so genau.

Diana: Bei mir ging das Jahr nicht so turbulent los. Ich glaube, ungefähr heute vor einem Jahr war ich beim Finanzamt, um die Steuernummer für meine Selbständigkeit zu beantragen. Das war aufregend genug.

Wie ist die Idee zu „A Global Mess“ entstanden?

Diana: Die Kurzfassung lautet: Wein.

Felix: Das ist ja immer ein Entstehungsprozess. Der ursprüngliche Plan nach meiner Kündigung war der, durch Südostasien zu reisen, zu fotografieren und die dortigen Subkulturen kennenzulernen. Am Ende hätte ich es schön gefunden, einen Bildband dazu herauszubringen. Doch dann hatte Matze (Anmerkung: ein gemeinsamer Freund von Concrete Jungle Records) die Idee zu dem Asien-Sampler und Schritt für Schritt wurde die Sache runder.

Diana: Wir wussten beide, dass der andere gerade in einer Umbruchphase steckt. Ich weiß noch, dass ich direkt nach meiner Kündigung das Bedürfnis hatte, Felix davon zu erzählen, weil er gerade im selben Boot saß. Wir haben uns dann direkt verabredet – für ein Knochenfabrik-Konzert in Köln. Das Ganze endete dann mit dem besagten Weinabend.

Felix: Wir haben uns ausgetauscht und Diana meinte recht schnell, dass man da doch irgendwie mehr draus machen könnte, zumindest eine Story im Tätowiermagazin sollte drin sein (Hier gibt´s übrigens ein aktuelles Interview zu lesen, das die beiden der Redaktion neulich gegeben haben).

Diana: Wenn man gekündigt hat, spürt man eine ganz spezielle Art der Euphorie. Man will Berge versetzen und dementsprechend waren meine Pläne natürlich damals schon viel größer als das. Doch ich wollte mich nicht aufdrängen, die Reise war schließlich Felix‘ Ding. Ein paar Tage später habe ich ihm dann in aller Ruhe meine Überlegungen dazu rübergeschickt. Er meinte später, ich hätte ihm nicht nur meine Gedanken mitgeteilt, sondern „eine Idee gepitcht.“

Felix: Ich war gerade auf einer Geburtstagsparty, als sie mir die Nachricht geschrieben hat und trotzdem antwortete ich innerhalb von einer Minute: „Alles klar, machen wir so!“ In meinem Kopf gab es zu dem Zeitpunkt ja noch kein ausgereiftes Konzept und mich hatten bereits mehrere Leute gefragt, ob sie mich begleiten können. Das habe ich aber immer abgelehnt, weil es eben keine reine Spaßreise werden sollte. Diana war die erste Person, die das verstanden und die Idee vorangetrieben hat.

Gab es im Vorfeld der Reise kritische Stimmen oder Bedenken?

Diana:
Gar nicht. Eigentlich haben alle gesagt: „Jetzt oder nie!“

Seid ihr Planer oder habt ihr das meiste einfach auf euch zukommen lassen?

Felix: Ich würde uns nicht als Planer bezeichnen. Eher als Visionäre. Ich sag mal so, im Planen sind wir okay. Es gibt Leute, denen einige Dinge wahrscheinlich nicht passiert wären, dafür sind wir nicht zu verkopft. Im Detail haben wir vieles erst beschlossen, als wir uns bereits auf den Weg gemacht hatten.

Diana: Nach Kuala Lumpur wussten wir zum Beispiel nicht, wo wir als nächstes hinfahren sollten. Aber wir wussten immer, dass am Ende etwas herauskommen wird, das größer ist als die Reise an sich.

Felix: Das meine ich mit Vision. Wir kamen im August zurück und zwei Wochen später hatten wir unser eigenes Büro. Wir haben auch Filmpremieren zugesagt, ohne einen fertigen Film zu haben. Doch anders wäre das ja auch gar nicht möglich.

Diana: Wir ergänzen uns da schon sehr gut. Wir teilen dieselbe Vision und haben auch beide kein Problem damit, 16 Stunden im Büro zu verbringen. Die Aufgaben wurden dann irgendwann automatisch verteilt. Ich kümmere mich zum Beispiel um das Akquirieren von Veranstaltungen und den Feinschliff unserer Texte. Felix hat wiederum ein ganz anderes kaufmännisches Verständnis als ich und er bearbeitet die Fotos.

Felix: Es gibt Kompetenzbereiche. Auf dem einen Gebiet ist Diana einfach der Boss und auf dem anderen bin ich der Chef. Wir blicken schließlich auch auf unterschiedliche Berufserfahrungen zurück und coachen uns gegenseitig.

Das Buch wird im Frühjahr im Ventil-Verlag erscheinen.

Gab es während der Reise oder danach auch Reibungspunkte?

Felix: Während der Reise ist das glaub ich gar nicht passiert. Oder?

Diana: Andi (Anmerkung: Dianas Mann und einer der großartigsten Menschen auf diesem Planeten) hat mich im Sommer in das Taxi zum Flughafen gesetzt und gesagt: „Ich hoffe, das geht gut. Du und Felix, ihr seid zwei der kompliziertesten Menschen, die ich kenne.“ Ich bin dann nach Singapur geflogen und schon nach wenigen Tagen sind wir in unserem gemeinsamen Reisealltag angekommen. Wir waren einfach ein gutes Team und ich hatte während der gesamten Zeit nicht mal für zwei Stunden das Bedürfnis, mich zurückzuziehen.

Felix: Die längste Zeit getrennt voneinander waren wir in Kuala Lumpur, als ich in unserem dekadenten Airbnb eine Stunde auf dem Laufband und Diana im Infinity Pool war.

Welches Land hat euch am meisten überrascht?

Felix: Ich war fasziniert davon, wie wenig in Hongkong passiert. Es gibt einfach keine richtigen Szene-Treffpunkte, da teilt sich eine Metal-Core-Band einen Proberaum mit einer Oi-Band. Das hatte ich nicht erwartet.

Seid ihr irgendwelchen typischen Instagram-Backpackern begegnet?

Felix: Selbst als ich die ersten Wochen allein unterwegs war hatte ich wenig Kontakt zu anderen Backpackern.

Diana: Was ist denn mit Gustav?

Felix: Stimmt, Gustav habe ich in Surabaya kennen gelernt – keinem typischen Touristenort. Er war Schwede und ein auffälliger Typ. Gustav war groß und hatte lange weißblonde Haare. Wir waren im billigsten Hostel der Stadt untergebracht und eigentlich wollte er am nächsten Tag weiterreisen. Sein einziger Besitz befand sich in einem Armeerucksack, der bis zur Hälfte mit Notizbüchern gefüllt war. Er wollte nach Kalifornien, um dort Stand-Up-Comedien zu werden. Ich glaube, dass er das packen wird. Aber um zurück zu deiner Frage zu kommen, ein Instagram-Backpacker war er nicht. Die hängen wohl an anderen Orten ab.

Gibt es einen Auftritt, den ihr besonders in Erinnerung behalten habt?

Diana: Das war wahrscheinlich die Punk- und Hardcore-Show am letzten Abend in Singapur. Ich hatte bereits von Deutschland aus recherchiert und war dabei auf eine All-Girl-Hardcore-Band namens Radigals aufmerksam geworden. Die Mädels meinten: „Meldet euch, wenn ihr in Singapur seid.“ Das Konzert zu dem sie uns einluden, fand in einem vielleicht 15 Quadratmeter großen Proberaum in einem verlassenen Einkaufszentrum statt. Am Ende haben sich rund 45 Leute in den kleinen Raum gequetscht. Der Schweiß tropfte von der Decke und die Stimmung war großartig. Bloß die wackelige Wand neben mir bereitete mir Sorgen, denn ich wollte nicht als die Europäerin in die Geschichte eingehen, die beim Konzert den Raum zum Einstürzen gebracht hatte.

Am Ende des Ganges befand sich außerdem ein „Schlagerclub“, in dem asiatische Folkloremusik lief. Als die Punk-Show vorbei war und alle nach Hause gehen wollten, haben wir beschlossen, dort weiter zu feiern. Die anderen fanden es allerdings total verrückt, dass wir um Mitternacht nicht nach Hause gehen wollten.

Felix: In Singapur weiß man einfach nicht, wie man bis morgens säuft. (lacht) Der besagte Club glich einer Parallelwelt. Es gab Plüschsofas und Bier-Türme zum Selberzapfen. Auf der Bühne fand ein Contest mit asiatischen Schönheitsköniginnen statt und irgendwann haben wir mit 20 Punks die Tanzfläche gestürmt.

Gab es auch kritische oder sogar gefährliche Situationen?

Felix: Von einer wirklich gefährlichen Situation erzählen wir im Buch, aber das würde hier den Rahmen sprengen. Eine andere kritische Situation gab es in Cebu, als ich mit zwei Sprayern unterwegs war. Es war helllichter Tag und sie sprühten ein großflächiges Motiv auf eine Wand. Irgendwann drehte ich mich um und in 15 Meter Entfernung stand ein Cop auf einem Motorrad, der uns fassungslos beobachtete. In solchen Momenten ist es ja so: Mitgegangen, mitgefangen. Wenn du erwischt wirst, stehen deine Karten erst mal schlecht. Als Tourist sagst du dir dann: „Ich guck mal, dass ich Land gewinne.“ Doch ich war in dem Moment nicht als Tourist unterwegs, sondern habe das „Arbeitsmaterial“ dahinter gesehen.

Bei Diana ist mir dieser Zwiespalt zwischen Respekt vor der Situation und Professionalität immer besonders aufgefallen. Prinzipiell neigt sie schon dazu, sich abenteuerliche Worst-Case-Szenarios auszumalen. Doch sobald sie in ihrem Journalistenmodus ist, kann ihr Gegenüber ruhig einen dicken Joint rauchen (für den man dort zu Rohrstockhieben und mehreren Jahren Gefängnis verurteilt werden kann). In solchen Situationen bewahrt sie absolute Ruhe, weil sie ein Interview zu führen hat.

Warum sollte man sich den Film anschauen oder das Buch lesen?

Diana: Im Grunde ist für jeden etwas dabei. Zum einen gewähren wir Einblicke in unseren Reisealltag, der als leichte Unterhaltung zu betrachten ist. Zum anderen gibt es den dokumentarischen Teil, in dem wir mit AkteurInnen der Musik-, Graffiti- und AktivistInnenszene sprechen. Am Ende muss jeder für sich selbst entscheiden, ob „A Global Mess“ für ihn bloß ein kurzweiliger Zeitvertreib oder mehr als das ist. Wir wollen mit unserem Buch und dem Film nicht den Zeigefinger erheben und aufklärerisch daherkommen. Wir haben lediglich Orte aufgesucht, die nicht viele Menschen aus unseren Breitengraden zu Gesicht bekommen und an die möchten wir euch mitnehmen.

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Felix: Unser Vorhaben heißt ja aus gutem Grund nicht „An Asian Mess“ sondern „A Global Mess“. Auf lange Sicht soll es nicht bei einem einmaligen Projekt bleiben. Der Gedanke dahinter ist global und wir sind Visionäre. Es gibt noch viele Orte zu entdecken.

Bild: Felix Bundschuh

Jetzt habe ich noch einen Herzenswunsch. Seit einem halben Jahr arbeiten die beiden ohne Pause an der Realisierung der Doku, des Buchs und des Samplers. Das alles kostet nicht nur Zeit und Energie, sondern auch Geld. Auf Startnext könnt ihr das Projekt noch zwei Wochen lang unterstützen und ich würde mich freuen wie Sau, wenn ihr das in Form von ein paar Euros machen würdet.

Titelbild: Felix Bundschuh


19.01.2019 – Jetzt ist aber mal gut

Schlaf

Während der Kuchen im Ofen ist, der morgen mit großartigen Menschen verspeist werden will, nutze ich die Chance und melde mich mal wieder. Dieses regelmäßige Schreiben, das ich neulich angekündigt habe, es klappt wunderbar, ihr merkt das. Ich entschuldige mich. Es gab aber auch irgendwie eine ganze Menge zu tun. Angebote schreiben, Telefonate führen, erste Aufträge entgegen nehmen und umsetzen. Und all das, während mein Körper dank des Holland-Urlaubs und der neuen Situation in einem Modus feststeckt, den ich zuletzt vor zwanzig Jahren erlebt habe. Damals in den Sommerferien saß ich wochenlang nachts im Bett, hörte Musik und befüllte Notizbücher mit seltsamen Gedanken, die man sich in dieser Art wirklich nur mit vierzehn macht und die mehr oder weniger alle auf „Alle hassen mich.“ beruhen.

Ich versuche, diesen komatösen Zustand jetzt erstmal zu akzeptieren und dann nach und nach wieder zu etwas humaneren Zeiten aufzustehen und am Leben teilzuhaben. Sollte ich es nicht schaffen, werde ich einfach jede Menge Studien darüber lesen, wie ein verkorkster Schlaf-Wach-Rhythmus sich langfristig auf die Gesundheit auswirkt, und dann vor lauter Schreck am nächsten Tag um viertel nach sieben aus dem Bett springen. Und so weiter.

Hypochonder

Apropos Studien und Gesundheit und Lesen: Ich bin ja Teilzeit-Hypochonder. Ich nenne es „Teilzeit“, weil ein Vollzeit-Hypochonder nach intensiver Internet-Recherche ja meistens fünf Ärzte der gleichen Fachrichtung besuchen und ihnen auf die Nerven gehen muss, bevor er sich mal für ein, zwei Wochen beruhigen kann, bis das Ganze dann wieder von vorne losgeht. Teilzeit-Hypochonder machen das nicht. Die werden nur unruhig, wenn irgendetwas zum ersten Mal wehtut oder sich komisch anfühlt. Dann googeln sie, warten ein bisschen ab, googeln noch ein bisschen, wissen dann alles über Achalasie, trinken einen Schnaps, der macht es irgendwie nicht besser, dann wird nochmal gegoogelt, dann machen sie einen Termin beim Arzt und der findet dann nichts. Und verschreibt Protonenpumpenhemmer.

Weil ich aber auf Protonenpumpenhemmer reagiere wie ein Eichhörnchen auf Speed, liegen die Protonenpumpenhemmer einfach nur in der Medizinkiste herum und nach ein paar Wochen ist das ganze dann vorbei oder verliert sich irgendwie oder wird einfach klaglos hingenommen. Und daraus lernt man dann eine ganze Menge, zum Beispiel dass vieles von allein wieder besser wird. Und dass Magensäure Ohrenschmerzen verursachen kann, das weiß ich jetzt auch und dieses Wissen ist natürlich Gold wert. Zum Beispiel, wenn man sexuell aufgeladene Stimmung schlagartig neutralisieren oder sich ohne großen Aufwand als Sonderling einer Gruppe outen möchte.

Menschen

Die ersten zwei Wochen dieses Jahres waren ungewöhnlich kontaktfreudig. Normalerweise verbringe ich die ersten zwei Wochen eines Jahres damit, über Raum und Zeit und natürlich den Tod nachzudenken und mir vorzunehmen, regelmäßiger spazieren zu gehen und endlich den Obstsalat-Lifestyle zu zelebrieren. Diesmal war das anders und jetzt habe ich beschlossen, dass ich diese Tradition durchbrechen und nie wieder so früh im Jahr über Raum und Zeit und den Tod nachdenken möchte. Erst wenn es sich wirklich nicht vermeiden lässt. Ich hab in diesem Jahr fast alle meine Lieblingsmenschen schon auf einen Kaffee, ein Bier, einen Fruchtsaft oder einen Wein getroffen. Ein paar haben gefehlt, aber die Dichte an Großartigkeit war dennoch sehr…ähm… hoch…ähm groß… ähhh stark…ähm, ihr wisst schon.

Ich möchte das irgendwie beibehalten. Vielleicht nicht zwei- aber mindestens einmal pro Woche Zeit mit jemandem verbringen, den ich wirklich gern hab, der mir guttut, der etwas positives bewirkt, mich zum Lachen bringt, bei dem ich vielleicht auch etwas Positives bewirken kann. Nicht so viele Tage vorbeiziehen lassen, bis man sich mal wieder meldet. Anderen viel öfter sagen, wie toll sie sind und dass sie etwas bewirken, manchmal schon durch die Tatsache, dass sie einfach nur mit mir an einem Tisch sitzen.

Sachen machen

Mein erstes Aufeinandertreffen unter dem Motto „Sachen machen“ verlief richtig gut. Was zu einem nicht unerheblichen Teil daran liegt, dass Diana und Felix zwei richtig gute Gesprächspartner sind, die übrigens heute auf dem Travel Festival Leipzig zum ersten Mal vor größerem Publikum über ihr Südostasien-Abenteuer berichtet haben. Letztes Wochenende habe ich beide in ihrem Büro besucht und wir zogen uns dann für zwei Stunden ins Florian-Silbereisen-Zimmer zurück und haben dabei fast die Zeit vergessen.

Wenn ich Diana Glauben schenken darf, dann hab ich meine Sache sogar ganz gut gemacht. Es fühlte sich auf jeden Fall an wie etwas, was ich die nächsten zehn Jahre machen möchte. Und ich glaube, das lag nicht nur am Wein, sondern daran, dass ich Menschen im speziellen großartig finde – wenn ich sie nicht gerade im Allgemeinen ganz schrecklich finde – und mich diese Mischung aus Wort und Bild einfach unglaublich glücklich macht. Die nächsten drei Projekte bzw. Gesprächspartner stehen übrigens auch schon fest. Ich freu mich. Wie Sau.

Empfehlungen

Jetzt noch ein paar obligatorische Empfehlungen. Wenn ihr euch mal richtig über diese ganze exklusive „Neureiche Affen verkaufen gelangweilten Medienkonsumopfern einen hirntoten Lifestyle“-Szene amüsieren wollt, dann schaut euch doch auf Netflix die Doku „Fyre: The greatest party that never happened“ an. Ich glaub, sowas kommt dabei heraus, wenn ein Haufen besoffener „Masterminds“ nichts mit sich anzufangen weiß. Was ich bei all dem nicht begreife: Warum geben Menschen fünfstellige Summen dafür aus, um auf ein Festival auf den Bahamas zu kommen und dann via Social Media ein bisschen Eifersucht in anderen hervorzurufen? Und dann reagieren da auch scheinbar nur die einfältigsten der Einfältigsten darauf und schmeißen mit schnuffelherzbärchigen Emoticons um sich. Solche Bildchen lösen doch bei Menschen, die ein bisschen mehr Persönlichkeit haben, keine Gänsehaut vor Freude oder Angst aus; da macht sich doch niemand in die Hose vor Begeisterung. Diese Szene regt mich auf. Merkt man gar nicht, oder?

Christian hat seinen aktuellen Blogeintrag beendet mit den Worten „Seien Sie gut zu sich und anderen statt sich selbst und andere in den roten Drehzahlbereich zu treiben.“ Und ich kann ihm da irgendwie nur zustimmen. Ich hab das Gefühl, dieser ganze Optimierungswahn legt unsere ganze Gesellschaft lahm, ohne dass wir es bewusst mitkriegen. Und jeden Tag warte ich auf diesen einen Menschen, der mir mal was von Selbstfürsorge erzählt, während er neben einem Multifunktionsdrucker steht, der gerade kaputt geht. Aber das kriegen diese Achtsamkeits-Hooligans ja nicht hin. Selbstfürsorge gehört nämlich auf die Wiese oder ans Meer. Andere Orte sind tabu. Nicht inspirierend genug. Dabei wäre Selbstfürsorge doch gerade wichtig, wenn man neben dem scheiß Multifunktionsdrucker steht. Oder beim Finanzamt sitzt in einem Flur, der so gruselig deprimierend ist, dass es einem eiskalt den Rücken runterläuft. Heilsames Atmen bei der Zulassungsstelle, sowas! Was kriegen wir? Wir kriegen Menschen in die Timeline gespült, die erst irgendwo hin müssen, um in diesen Achtsamkeits-Modus zu kommen. Urlaub buchen und danach ein Meditationskissen kaufen ist das Mindeste. Banaler darf es leider nicht werden. Meine lieben Freunde, wir müssen wieder das Banale in unser Leben lassen.

Noch ein paar andere schlaue Menschen gefällig? Büronymous weist uns darauf hin, dass Medien die Welt retten können. Christine Haderthauer erzählt im Interview mit der Zeit, warum Frauen in der CSU kaum eine Rolle spielen. Auf twitter gibt es diesen sehr schönen Thread, in dem Designer zum Thema Logoverwendung in Brand Guidelines vor Freude eskalieren (DO NOT SHUFFLE THE OCTOTHORPE!!!) Und dann hat Vanessa Giese uns am Beispiel von Zeitungsverlagen nochmal an die Denkfehler der Digitalisierung erinnert.

Und hiermit möchte ich nochmal ausdrücklich betonen: Wenn ihr nicht dümmer sterben wollt, als ihr geboren wurdet, dann abonniert ihren Newsletter. Ist mir egal, ob es beruflich passt, ihr werdet es einfach nicht bereuen. Er kommt einmal im Monat und ist jedes Mal ein Volltreffer, weil zum Beispiel auf Texte wie den folgenden hingewiesen wird – Maker vs. Manager: How your schedule can make or break you. Ich glaube, wegen diesem Text hatte ich im letzten Jahr an 27 aufeinander folgenden Tagen schlechte Laune, gefolgt von vier Tagen mit guter Laune, gefolgt von weiteren 118 Tagen mit wirklich sehr schlechter Laune (vereinfacht gesagt).

Ich beende dieses Elend jetzt mit einem Tweet von Tom Peters: „Two biggest markets: Women. Oldies. Average Silicon Valley coder shaping our lives: Male. 12 years old.“

Weiterhin alles Gute
Eure Franziska

04.01.2019 – Schleim

Bronchitis

Das Schöne an einer Bronchitis in Verbindung mit der beruflichen Selbstständigkeit ist ja, dass man nicht zum Arzt rennen und sich krank schreiben lassen oder sich zur Arbeit schleppen und dort auf der Toilette kollabieren muss. Man steht einfach auf mit einem Körper, der obenrum aus Schleim und untenrum aus Müdigkeit besteht und dann setzt man sich an den Schreibtisch und ist erstmal zwanzig Minuten lang glücklich darüber, dass man sich heute keine richtige Hose anziehen muss. Und wenn man dann zwei Stunden lang annimmt, dass die Druckerei die 10.000 Flyer, auf deren Versandbestätigung man seit Tagen wartet, als Konfetti-Spende an Silvester-Hooligans weitergegeben hat, lenkt das unheimlich vom eigenen Elend ab.

Es ist dann zum Glück gut ausgegangen. Ich führte ein nasales Gespräch mit einem unausgeschlafenen Service-Mitarbeiter, rollte ein paar Mal mit den Augen und erhielt irgendwann die frohe Botschaft, dass im Carport der Vermieter 20 schwere Pakete liegen. Und abends sagte ich dann zu meinem Komplizen, dass ich das Gefühl habe, dass solche Dinge mich jedes Mal ein winziges pipi-kleines-bisschen weniger wütend machen. Mein Ziel ist vollkommene Entspanntheit, während alle um mich herum ihren Verstand verlieren, und meinen Berechnungen zufolge wird dieser Zustand im Jahr 2314 erreicht sein.

Sachen machen

Worüber ich mich heute gefreut habe: Ein Telefonat mit meinem ehemaligen Chef, ein kurzer Kaffeeplausch mit meiner Schwester, die Ankündigung eines tollen Menschen, mir morgen Kuchen zu bringen und dass sich doch einige Personen darüber freuen, wenn ich wieder regelmäßiger blogge. Das motiviert und freut mich total. Und ich brauche die Übung, weil ich mir – was das Schreiben betrifft – doch ein paar Dinge vorgenommen habe in diesem Jahr. Ich möchte versuchen, meine beruflichen und persönlichen Stärken und Interessen zu kombinieren und in diesem Jahr einmal im Monat spannenden Menschen aus unterschiedlichen Bereichen einen Besuch abzustatten und dann darüber zu berichten.

Der erste Schritt ist getan bzw. der erste Termin ist gemacht und ich treffe mich am Freitag in einer Woche mit Diana und Felix von A Global Mess. Dass Diana und ich gute Freundinnen sind und ich die Katzenliebe von Felix teile, ist für den Anfang ein guter Einstieg. Die beiden haben viel erlebt, schon viel geschafft und so einiges vor in diesem Jahr und ihr solltet ihnen mal einen virtuellen Besuch abstatten – auf instagram zum Beispiel.

Insti. Hehe.

Apropos Instagram (oder Insti, wie wir hier Zuhause sagen, wenn wir wieder einmal feststellen, dass die halbe Welt unter Sauerstoffmangel leidet). Pünktlich zu Heilig Abend habe ich offenbar aus Versehen meinen Instagram-Account gelöscht. Weil ich keine einflussreiche Persönlichkeit bin, war ich nur eine halbe Stunde lang traurig wegen der vielen verloren gegangenen Fotos und der Follower. Wobei fast 400 Follower schon ok sind für jemanden, der auch mal zwei Wochen lang in der Versenkung verschwindet und sich noch nie das Schlüsselbein gebrochen hat beim Versuch, in der Badewanne einen Föhn und die eigenen Kniescheiben optisch ansprechend zu fotografieren.

Jedenfalls habe ich dann den Moment genutzt und beschlossen, dass ich ab sofort meine private Vorliebe für sympathische Menschen, warme Küche und Katzenyoga von meiner Hobbyfotografie trenne. Die perfekte Lösung quasi, falls es sowas wie perfekte Lösungen überhaupt gibt. Hier gibt es also ab sofort die Selbstgespräche mit Servicehintergedanken und da die Schwarzweißfotos. Ich sage euch Bescheid, wenn es sich lohnt, Account Nr. 3 (Der Pixelraupe, eurem Lieblingstier) zu folgen.

Weiterhin alles Gute
Eure Franziska

03.01.2019 – Bauchgefühl

2018 war ein Jahr, in dem Sinn und Sinnlosigkeit des Lebens relativ nah beieinander lagen, eng umschlungen auf der Couch, in der Hand ein Cocktail mit Schirmchen. Manchmal standen beide auch teilnahmslos nebeneinander an einer Straßenkreuzung, starrten in verschiedene Richtungen, so als würden sie sich nicht kennen. Sie stritten sich um Sitzplatzreservierungen, sie machten sich lustig über die Intoleranzen des anderen, sie räumten hintereinander her und ließen sich nie aus den Augen.

Nie war ich dankbarer als im Jahr 2018, nie hatte ich trotzdem so viele undankbare Momente. Nie war da mehr, nie war da weniger Verständnis. Nie war da mehr, nie war da weniger Stolz. Und Fülle und Leere und Trost und Trostlosigkeit. Alles nah beieinander, eine ganze Kette voller Glieder, die ich einordnen, interpretieren, bewerten muss, weil der Kopf es so will.

Tagebuchbloggen

In 2019 möchte ich – inspiriert von Menschen wie Christian – das Thema Bloggen wieder etwas ernster nehmen und regelmäßiger schreiben. Könnte funktionieren, weil meine Zeiteinteilung ab sofort eine andere ist, weil ich mich selbständig gemacht habe. Wenn ihr eine Grafikerin sucht, meldet euch gern bei mir. Die Homepage geht noch diesen Monat online und ich freue mich auf alles, was da kommt.

Ich pendle zwischen „Super Franziska, du wirst das schon schaffen, denn wenn wir mal ehrlich sind, bist du gar nicht so doof wie du manchmal aussiehst und außerdem gibt es hier im Umkreis auch nicht so viele halbwegs sympathische Menschen mit deiner Talente-Kombination.“ und „Super Franziska, hast du jetzt vollkommen den Verstand verloren?!“ Geistesblitze und Vorfreude wechseln sich ab mit Albträumen, in denen ich stundenlang auf Netzwerkveranstaltungen mit scharfkantigen Visitenkarten beworfen werde. Es wird spannend. Und lehrreich.

Menschen

Wenn ich mir zwei wichtige Erkenntnisse des Jahres aussuchen müsste, dann wäre es erstens: Egal wie sehr ich das Alleinsein manchmal brauche und auch vehement verteidige, um normal zu „funktionieren“ – nichts ist wichtiger als die Begegnung mit anderen. Ich hatte im letzten Jahr eine Menge toller Stunden mit alten und neuen Freunden, neuen und alten Bekannten, mit Kollegen, mit der Familie, mit diesen Menschen aus diesem Internet. Eigentlich verdammt schade, dass ich nicht öfter darüber geschrieben habe. Ein „Hey, dankeschön, ihr seid super!“-Sammelbeitrag wird dem eigentlich nicht gerecht. Aber ernsthaft: Ihr seid super!

Gene

Die zweite Erkenntnis ist: Es geht irgendwie immer weiter. Nichts ist von Dauer, nicht das Hoch, nicht das Tief, nicht das Wetter da draußen, nicht die Stimmung hier drinnen. Im Februar habe ich den schlimmsten Tag des Jahres erlebt, vielleicht sogar den zweitschlimmsten Tag in meinem Leben, und ich war mir in diesem Moment sicher, dass es für immer so bleiben wird. Für immer dieses Rauschen im Kopf und ein Raum um mich herum, der plötzlich kleiner wird. Ich hatte es mir so ausgesucht. Weil ich dachte, dass Gewissheit für mich eine gute Sache ist. Was ich nicht bedacht hatte: Selbst wenn das stimmt, wird Gewissheit manchmal nur häppchenweise serviert und vor der großen Gewissheit kommt immer dieser Moment in der Küche und dann kommt lange Nichts und mit diesem Nichts muss man irgendwas anstellen.

Ich werd drüber schreiben, selbst wenn es bei dem Nichts bleibt. Nicht weil ich mich seit diesem Moment, in dem die Küche nur noch 2 Quadratmeter groß war, in einer neuen Rolle sehe, sondern weil dieses Thema ein blinder Fleck in den Köpfen so vieler Leute ist und ich will ihn mit etwas füllen. Ich werde über eine Krankheit schreiben, über eine, die man nicht sieht und die man hier in Deutschland auch nicht besonders gut kennt. Keine Angst, es wird auch witzig werden, dafür sorge ich. Vor allem aber werde ich über Intuition schreiben. Vielleicht beginne ich mit meinen drei kleinen Reisen nach Berlin in 2018. Ich hoffe, ich werde dafür in den nächsten Wochen Zeit finden.

Intuition

Da es gerade zum Thema passt, beschließe ich diesen Text mit einer Buchempfehlung. Das Buch, das mir 2018 die meisten Aha-Momente beschert hat, ist von Malcolm Gladwell und es heißt „Blink – The power of thinking without thinking“. Bitte lest es, damit wir bald alle leidenschaftlich darüber diskutieren können, ob es manchmal angebracht ist, der Intuition zu folgen.

Ich wünsche mir und euch ein Jahr voller Bratensoße, Lachtränen und neuer Perspektiven.

Weiterhin alles Gute
Eure Franziska

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Porzellanladen #3

Minutenlang eine Kinderzeichnung betrachten, um herauszufinden, wie es um die Zukunft des Landes steht. Auf ein Danke warten, wie jemand, der gerade erst geboren wurde, obwohl zwei oder drei kluge Menschen gesagt haben, dass das sinnlos ist. Dem Wort Ent-Täuschung neu begegnen. Immer wieder den gleichen Test nicht bestehen. Sich fragen, ob die das eigentlich wirklich nicht wissen, die Institutionen, so nenne ich das jetzt mal, ob die das nicht wissen, wie sehr sie eingreifen, über Umwege, in das Leben von Familien, in den Schlafrhythmus, in die Gedanken, in die Regale in den Schränken in den Küchen der Menschen.

Ich will über Müdigkeit schreiben, aber man kann über Müdigkeit gar nicht so gut schreiben, denn wenn man das Bedürfnis hat, über Müdigkeit zu schreiben, bedeutet das, dass man selber müde ist und da wo früher ununterbrochen halbe Sätze durch meine Adern flossen, fließt heute nur gelegentlich ein bisschen Buchstabensuppe.

#

Überall begegnen einem kompetente Frühaufsteher, die auf alles eine Antwort haben. Ich will mal einem begegnen, der die Antwort nicht kennt, sich aber traut, ein paar Fragen zu stellen. Ich will mal einen treffen, der noch erschöpfter ist als ich. Der beim Haaretrocknen nach dreißig Sekunden den Föhn ablegen muss, weil der Arm so weh tut. Ich will mal einem freundlichen Menschen begegnen, der das auch wirklich so meint. Nicht dieser Knigge-Scheiß. Einem der neben mir sitzen bleibt und wissend nickt, wenn ich davon erzähle, dass die Gesellschaft im allgemeinen dazu neigt, menschliche Stärken in Klassen einzuteilen. In chaotischen Situationen einen kühlen Kopf bewahren, das ist eine Stärke erster Klasse. Gute Beobachtungsgabe besitzen, um solche Situationen möglicherweise verhindern zu können, das ist eine Stärke zweiter Klasse. Manche Personen besitzen beides und dann wünscht man sich, dass etwas davon auf einen selbst abfärbt, aber Wünsche haben einen Menschen noch nie weitergebracht. Das einzige, was Menschen weiterbringt ist das Überwinden der Telefonangst.

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Mit welcher Geduld Leute einander dabei zuschauen können, wie ihnen alles um die Ohren fliegt. Mit welcher Ruhe und Gelassenheit sie sich unter den Zaunpfählen begraben lassen, die auf ihre Köpfe herunter regnen. Mir ist das nie bewusst gewesen. Dass auch die anderen erschöpft sind. Zu erschöpft, um zwischen den Zeilen zu lesen. Zu müde für die Fußnoten. Aber auch zu erwachsen um es so nach außen zu tragen, wie ich es nach außen trage. Und so lassen sie einander im Glauben, man wäre mutterseelenallein auf dieser Welt.

#

Dinge, die man mal gemacht haben sollte:
Sich mit Menschen umgeben, die besser sind als man selbst, in jeglicher Hinsicht.
Die Person, die dir letzte Nacht im Traum begegnet ist, fragen, ob sie dasselbe geträumt hat.
Den Satz „Dafür bin ich nicht zuständig.“ laut aussprechen und dem Drang widerstehen, sich nun auf ewig selbst zu hassen.
Nur Grautöne fotografieren. Mausgrau. Stahlgrau. Rauchblau. Hellgrau. Mittelgrau. Dunkelgrau.
Die Whatsapp-Gruppe verlassen.

 

 

Von Jägermeister und spontanen Mutausbrüchen

Vor zehn Tagen habe ich eine Erfahrung gemacht, für die ich mir eigentlich viel zu lange Zeit gelassen habe. Rein Theoretisch. In der Praxis sieht das anders aus, da bin ich einfach eine ziemlich feige Sau, was das Sprechen vor mehr als zwölf Menschen betrifft. Deshalb schreibe ich seit dreizehn Jahren Texte ins Internet, habe aber jetzt erst den Mut dazu gefunden, sie auch mal vorzulesen. Live, vor Publikum. Im Friedrichs Coffeeshop in Bonn. Eine schöne Stadt übrigens, in der ich in Zukunft noch einige Male zu Besuch sein möchte. Sylvia und Johannes hatten eingeladen zur MiMiMiMi-Sommerlesung und wie sich dann herausstellte, war es auch die beste Sommerlesung aller Zeiten. Fünf Punkte sollte ich noch erwähnen, bevor ich mich gleich in die Nacht verabschiede.

1. Die einen (eine nicht unerhebliche Mehrheit) werden immer komischer (also im Sinne von „doof“), die anderen (eine traurige Minderheit) machen da irgendwie nicht mit. Das sind die Menschen, denen ich schon seit vielen Jahren folge, deren Texte ich lese, deren Bilder ich like, deren Tweets mir aus der Seele sprechen. Für mich ist es immer noch etwas Besonderes, die Leute endlich mal persönlich kennen zu lernen. Das passiert selten, wenn man nicht gerade in einer etwas größeren Stadt wohnt. Das Schöne an solchen Begegnungen ist, dass es nie in peinlichem Small Talk endet, sondern oft in guten Gesprächen, Gelächter und Pommes. Weil diese Menschen aus diesem Internet irgendwie – soweit ich das bisher beurteilen konnte – ziemlich toll sind. Klug, witzig, sympathisch, bisweilen zauberhaft. Liebe Veranstalter, liebe Gäste, liebe Vorleser – es war mir eine Freude, euch kennen zu lernen. Gute Qualität, gerne wieder!

2. Was man an Abenden wie diesen – wo viele einander fremde, halbwegs zivilisierte Mitglieder dieser Gesellschaft aufeinander treffen – manchmal feststellt: Viele von uns tragen so eine grundsätzliche Basis-Verzweiflung mit sich herum, die manchmal von sehr gutem Humor kaum zu unterscheiden ist. Man merkt das, wenn man die Small-Talk-Ebene verlässt. Auf der Small-Talk-Ebene freut man sich, dass man sich endlich kennen lernt und der andere freundlich ist. Dann kommt irgendwann die Ebene, wo man merkt: Gott sei Dank, der andere hat auch komische Menschen in seinem Leben, vielleicht sind das sogar dieselben. Ich stelle mir das manchmal mit vertauschten Rollen vor. Dass sich eben jene komischen Menschen auch irgendwo begegnen und sich dann irgendwann über Menschen wie uns unterhalten. Wir sind dann die Komischen, wegen denen die Gesellschaft irgendwann implodieren wird, weil wir irgendwelche seltsamen Verhaltens- und Denkweisen an den Tag legen, die sich ein Mensch im Jahr 2018 eigentlich gar nicht mehr leisten kann.

3. Mut wird belohnt. Nicht immer mit Applaus oder Komplimenten. Manchmal passieren Dinge, die sich im ersten Moment wie Bestrafung anfühlen. Manchmal pisst man sich ja vielleicht wirklich in die Hose vor Angst. Aber Dinge nicht zu versuchen oder abzulehnen, weil man sich jetzt gerade in dem Moment nicht traut, das ist Quatsch. Wer sich heute nicht traut, der wird sich morgen auch nicht trauen. Wie auch? Sich nicht trauen ist irgendwie keine vernünftige Begründung. Wenn man ahnt, dass es sich lohnen wird und wenn es dich glücklich macht und du das Gefühl hast, dass das ein fehlendes Puzzleteil sein könnte, dann trau dich.

Noch schlimmer: Sich nicht trauen, weil man sich das die letzten dreizehn Jahre auch nicht zugetraut hat und es jetzt eigentlich schon kurz vor zwölf ist. Bequemlichkeit aus Tradition sozusagen. Oder sich nicht trauen, weil andere darüber lachen könnten, dass man ernsthaft all seinen Mut zusammen nehmen muss, um vor drei Dutzend Menschen in einem kleinen Café einen Text vorzulesen. Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen in meinem direkten Umfeld sich irgendetwas trauen. Kleine Dinge. Besonders die. Ganz kleine Schritte, egal wie sie aussehen, die dir das Gefühl geben, dass du aus eigener Kraft Freude in dein Leben holen kannst. Wie auf so einem Scheiß Wandkalender mit einem Bild von einer scheiß Milchkanne mit Blumen vor irgendeiner Scheiß Hauswand, wenn ihr versteht was ich meine.

4. Wir sollten einander mehr Komplimente machen. Nicht grundsätzlich, denn manchmal sind Komplimente mehr Strategie als Lob und ich hab die Erfahrung gemacht, dass die meisten Menschen diesen Unterschied instinktiv wahrnehmen. Aber trotzdem: mehr Komplimente. Vor allem privat. Mehr nette Worte. Öfter mal sagen „Das was du vorhast, das finde ich gut.“ Wenn du das Gefühl hast, dass es für dich an zu vielen Orten gleichzeitig keinen Raum gibt, in dem du deine zwei oder drei größten Stärken mit voller Wucht entfalten kannst, dann zieh dir gutes Schuhwerk an und geh ein Stück. Warte nicht darauf, dass irgendwer plötzlich erkennt, wer du bist und sich dann dafür bei dir bedankt. Das passiert nicht. Es wimmelt auf dieser Welt nicht von Tatsachenberichten, in denen himmelhoch jauchzende Personen davon schwärmen, wie sich neulich alle Probleme wie von selbst gelöst haben und wie toll das war, dass seit letzter Woche niemand mehr versucht hat, irgendwas an ihnen zu ändern oder misszuverstehen. So etwas passiert ständig. Wir wollen einander ständig ändern. Wir leben in dem Glauben, dass wir genau wissen, was der andere gerade denkt. Lasst uns den Personen, die wir nicht ändern, zusammen pressen, kaputt machen und dann wieder reparieren wollen, einfach mal sagen, dass sie irgendetwas gut machen.

5. Jägermeister schmeckt, wenn man ihn langsam trinkt. Wenn man ihn schnell trinkt und mit Cola oder Fanta oder RedBull mischt, dann tut man dem Jägermeister unrecht. Und wenn man doppelten Jägermeister trinkt, fürchtet man sich weniger vor dem Vorlesen.

Das Bild da oben hat übrigens der sehr sympathische und mir nun auch persönlich bekannte Christian Fischer gemacht.

Realität – Ofenkäse = Sehnsucht

Ich war gestern eine von fünf Personen, die bei #mimimimi mitmachen durften. Das ist der Titel einer Lesung, die seit 2013 in Bonn von Sylvia Rang und Johannes Mirus organisiert wird. Es war in vielerlei Hinsicht ein richtig toller Abend, darüber werde ich aber hoffentlich bis morgen Abend noch etwas schreiben. Der Text, den ich vorgelesen habe, ist eine Mischung aus Gedanken, die ich mir vor mehr als einem Jahr nach einem Einkauf bei Rewe mal gemacht, aber nie „ins Reine geschrieben“ habe, und einem alten Blogbeitrag, den ich im Februar 2017 veröffentlicht habe. 

Letzte Woche stand ich unfreiwillig lange im Rewe vor dem Kühlregal. Ich hatte den Laden betreten in der Hoffnung, mal eben schnell innerhalb von fünf Minuten Ofenkäse zu kaufen. Ich verließ ihn wieder mit der Erkenntnis, dass der Ofenkäse ausverkauft ist und dass die Welt mehr den je auf ganz normale, harmlose Menschen wie mich angewiesen ist.

Ausverkauften Ofenkäse gab es in meinem Leben bisher nicht und ich sage euch, ich habe schon einiges erlebt. Ausverkauftes Trockenshampoo zum Beispiel. Oder dass es die mittelharten Zahnbürsten nicht mehr in meiner Lieblingsfarbe Hellblau gibt, dafür aber viele weiche grüne und einige harte Rote.

Ich tat dann, nachdem ich zehn Minuten lang meine Stirn in nachdenkliche Falten gelegt hatte, etwas für mich vollkommen natürliches: Ich kaufte Fischstäbchen, ging zum Auto und stellte mir die entscheidende Frage. Warum gibt es einen Rewe-Lieferdienst, aber keine App, die mir Bescheid sagt, dass der Ofenkäse ausverkauft ist? Weil, man könnte so viel bewirken in der Welt, wenn man nicht immer unnötig vorm Kühlregal herumsteht.

Folgendermaßen könnte das ablaufen.

Montag: Der Rewemarkt bekommt haufenweise Ofenkäse, der von entspannten Verkäuferinnen in das dafür vorgesehene Kühlregal gelegt wird. Irgendeine künstliche Intelligenz registriert, dass im Kühlregal 10 Ofenkäse liegen und sich weitere 20 im Lager befinden.

Dienstag: Sechs Leute haben Ofenkäse gekauft. Die künstliche Intelligenz schickt eine Nachricht an die für Nachschub zuständige Person oder eine andere künstliche Intelligenz, damit das Regal wieder aufgefüllt wird.

Mittwoch: Weitere 23 Personen, denen ihre Gesundheit vollkommen gleichgültig ist, kaufen Ofenkäse. Zeitgleich kehren einige Kardiologen aus ihrem wohlverdienten Sommerurlaub zurück.

Donnerstag: Die Ofenfrische mit Thunfisch ist heute im Angebot. Kein Mensch interessiert sich für den Ofenkäse.

Freitagmorgen: Irgendein selbstsüchtiges Arschloch betritt den Rewe und nimmt den allerletzten Ofenkäse. Die künstliche Intelligenz sendet ein Signal an die intuitiv bedienbare, megacoole App rewe buy & chill.

Ich habe die App auf meinem Handy installiert und natürlich mit fünf Sternen bewertet, weil sie mir den Alltag wirklich sehr erleichtert. Sie schickt mir nicht nur Angebote, sie gibt mir auch die Möglichkeit, mich mit attraktiven Rewe-Kunden in meinem Umfeld zu vernetzen, die zum Beispiel die gleichen Teesorten und Marmeladen oder Brötchenhälften mögen wie ich.

Doch die allertollste Funktion kennt ihr noch gar nicht.

Denn: Am Freitagnachmittag einigen mein Komplize und ich uns darauf dass es heute Abend Ofenkäse gibt. Ich öffne meine megacoole rewe buy & chill App, die mir den Alltag wirklich sehr erleichtert, und gebe „ofenkäse“ in das Suchfeld ein. Auf meinem Display erscheint daraufhin der Hinweis, dass es in meinem Lieblings-Supermarkt heute keinen Ofenkäse mehr gibt, ich aber die Möglichkeit habe, eine Alternative zu kaufen. Camembert zum Beispiel. Davon gibt es noch fünfzehn Packungen. Oder ich kaufe den Ofenkäse in einem anderen 7 km entfernten Supermarkt, kann ihn dort sogar für die nächsten 2 Stunden reservieren. Ernsthaft. So toll ist diese App!

Vielleicht entscheide ich mich auch für etwas ganz anderes. Zum Beispiel könnte ich mit den Resten daheim noch eine Mahlzeit kochen. Ich öffne die total praktische Resteessen-Funktion, die seit dem letzten Update wirklich einwandfrei funktioniert und erhalte zunächst eine Push-Nachricht, in der ich gefragt werde, ob ich immer noch eine Nussallergie habe und was mit der halb angefangenen Packung Haselnüsse passieren soll, die in der Schublade neben den Muffin-Förmchen liegt.

Ich habe die Möglichkeit, es zu ignorieren, einen Termin beim Ernährungsberater zu machen oder mir von einer Drohne ein Anaphylaxie-Notfallset vorbeibringen zu lassen. Das kann die App alles. Deshalb bezahlt man dafür auch 4,99 Euro.

Was ich sagen will: Natürlich möchte ich nicht, dass Rewe, oder die AOK oder mein Stromanbieter Zugriff auf alles haben, was in meiner Küche passiert. Natürlich möchte ich nicht für Ofenkäse zum gläsernen Bürger werden. Natürlich möchte ich nicht fünf Minuten Zeitersparnis gegen Totalüberwachung eintauschen.

Aber wäre es nicht herrlich, wenn wir so langsam mal an einen Punkt kämen, an dem die Möglichkeiten der Digitalisierung uns im Alltag wirklich etwas zurückgeben würden?
Wie viele Formulare sollen wir noch runterladen, ausdrucken, ausfüllen und zur Post bringen? Welche Berge müssen wir versetzen, wie viele halbe Tage Urlaub nehmen, damit der verdammte Sperrmüll abgeholt, unser Nebengewerbe angemeldet oder der Förderantrag genehmigt ist?  

Und wie kann es sein, dass so wahnsinnig viele Menschen, vor allem ältere Generationen in der Provinz, damit viel entspannter umgehen als ich? Die Antwort liegt auf der Hand: Sie kennen es nicht anders. Und sie ahnen nicht, dass sie es möglicherweise verdient haben, ein bisschen Zeit und Energie zu sparen.

Und sie wüssten vielleicht auf Anhieb auch gar nicht, was sie mit der gewonnenen Zeit und Energie anstellen. Der leere Raum würde sie verunsichern. Solche Leute gibt es. Vielleicht nicht so viele hier in Bonn, aber da wo ich lebe, gibt es Menschen, die so Sätze sagen wie “Ich hab jetzt drei Wochen Urlaub. Nach fünf Tagen wird mir bestimmt die Decke auf den Kopf fallen.” Oder: “Warum willst du dir einen Staubsauger-Roboter kaufen? Hast du zuviel Geld?!”

Ich hab nicht zuviel Geld. Ich hab zu wenig Zeit. Ich will spazieren gehen und ein Instrument lernen und die Schneegänse beobachten und Malkurse besuchen und Kurse in gewaltfreier Kommunikation, damit ich nicht immer alle Leute beleidigen muss, und ich will mich über Garten-und Landschaftsbau informieren, gründlich, und mich einer Pfadfindergruppe anschließen und natürlich will ich auch programmieren lernen, wegen der App für Rewe.

Ich will – vereinfacht gesagt – nicht ständig mit Fragezeichen im Kopf vorm Kühlregal herumstehen.  Ich will ab und zu in meiner eigenen Welt leben. Und damit wirke ich natürlich wie ein komischer Vogel in den Augen derjenigen, die sich ihrer eigenen Zeitverschwendung und Freizeitpassivität gar nicht bewusst sind.

Vor einer Weile habe ich einen Text geschrieben, der vielleicht veranschaulichen kann, warum es durchaus ok ist, hin und wieder in seiner eigenen Welt leben zu wollen und sich deshalb über vergeudete Zeit im Alltag aufzuregen.

In dem sehr empfehlenswerten Film „The Departed“ sagt Mafiaboss Frank Costello, gespielt von Jack Nicholson, ganz am Anfang einen sehr schönen Satz: Ich möchte nicht das Produkt meiner Umwelt sein. Ich möchte, dass meine Umwelt ein Produkt von mir ist.

Nun ist dieser Mensch in dem Film nicht gerade ein Vorbild für gutes Benehmen, aber unabhängig davon können wir uns diesen schlauen Satz trotzdem ruhig mal etwas näher anschauen. Dahinter verbirgt sich nämlich ein riesengroßes Missverständnis. Nämlich, dass es pauschal erstmal verdächtig ist, in seiner eigenen Welt zu leben oder seine Umwelt zu beeinflussen, statt sich von ihr beeinflussen zu lassen.

Als Kind und Jugendliche war es mir oft eine Freude, Erwachsenengespräche zu verfolgen. Ich saß wortlos auf dem Sofa, nippte am Kakao und lauschte und lernte. Hin und wieder unterhielten sich die großen Menschen über andere mir fremde Personen. Den Freund von einer Freundin oder die Tante XYZ oder die neuen Nachbarn. Und in ihren Worten klang immer ein bisschen Geringschätzung mit, wenn sie den Satz sagten, um den es mir geht: „Der lebt halt in seiner eigenen Welt.“

Man spürte, derjenige wurde irgendwie toleriert, neugierig beäugt, immer höflich auf Abstand gehalten. Oft ging es um unausgesprochene Regeln, um Konventionen, mit denen angeblich gebrochen wurde, um „so Künstlertypen“. Und wir sprechen hier nicht von Leuten, die in irgendeinem Baumhaus außerhalb des Dorfes leben, sich nicht die Haare waschen und zuhause einen Hildegard-Orgon-Akkumulator neben ihren Staffeleien stehen haben. Wir reden von Menschen, denen einfach nur nicht so schnell langweilig wird. Die etwas mit sich anzufangen wissen. Die die Frechheit besitzen, ab und zu mal in ihrer eigenen Welt zu leben.

Weil: Wo wollen wir denn sonst leben, wenn nicht in unserer eigenen Welt? Warum ist „Du lebst in deiner eigenen Welt“ nicht ganz offiziell eines der schönsten Komplimente, die man einem anderen Menschen machen kann? Sind Leute, die nach ihren eigenen Maßstäben leben, nicht eine Wohltat? Also, mal abgesehen von Donald Trump und Horst Seehofer, die leben ein bisschen zu sehr nach ihren eigenen Maßstäben.

Brauchen wir in Zukunft nicht mehr ganz normale Menschen, die sich Gedanken darüber machen, in welcher Welt sie einmal leben wollen? Sollen wir uns stattdessen in der Welt einer anderen Person einrichten? Ihr vielleicht auch noch die volle Verantwortung für unser Leben geben? Stehe ich dann jeden Morgen auf und warte darauf, dass mir jemand eine Bedienungsanleitung für mein eigenes Leben neben mein Kopfkissen legt, während ich zum neunten Mal die Snooze Taste drücke?

Und werde ich dann motzig, wenn Wochenende ist, und mir das Programm nicht gefällt, um das ein anderer sich bereitwillig gekümmert hat?

In seiner eigenen Welt leben – das ist eine gute Sache. Nicht pausenlos, nicht unter allen Umständen und ohne Rücksicht auf Verluste, aber so oft wie möglich, immer mal wieder, mit kleinen Unterbrechungen. Das ist nicht egoistisch, das ist verantwortungsbewusst. Es geht um Verantwortung für das eigene Leben, die eigene Lernkurve, das eigene Umfeld.

Natürlich besteht da immer die Gefahr, dass man ab und zu ein paar bescheuerte Fragen beantworten muss. Vor ein paar Jahren wollte mal jemand von mir wissen, ob ich denn mein erstes Buch „Die wunderbare Welt der Franzi“ nennen werde. DIE WUNDERBARE WELT DER FRANZI. WAS ZUM GEIER?!!!

Ich lächelte verhalten und dachte: Du blödes Arschloch. Die Frage klang wie ein Angriff, wie ein Vorwurf, mein Gehirn übersetzte das ganze mit „Warum bist du eigentlich so sonderbar?“ Warum bist du so eine trübe Tasse, warum schreibst und liest du so viel, warum sieht man dir den Zweifel manchmal an, warum gerätst du manchmal ins Stocken? Warum lebst du in deiner eigenen Welt? Warum machst du dir Gedanken darüber, wie du deine Zeit nicht an der Kühltheke verschwendest?

Weil es vielleicht mein gutes Recht ist. Und dasselbe gilt für dich. Also hör auf, deine Arschbacken zusammen zu kneifen und frag dich ab und zu vorm Schlafen gehen mal, nach welchen idiotischen Regeln einer anderen Person oder Gruppe du lebst und wie lange du das noch durchziehen möchtest.

Und wenn du jemanden zum Reden suchst, dann bring Baguette mit, ich besorge den Käse und dann sprechen wir mal darüber, wie schön das ist, das eigene Gehirn als gelegentlichen Zweitwohnsitz anzumelden. Weiterhin alles Gute, eure Franziska.

Ausblick / Einblick

Rausgucken lohnt sich immer. Reingucken manchmal auch. Manchmal wird man von Schaufensterpuppen beobachtet, manchmal ist man selber der Beobachter. Und immer stellt man fest, dass Dreck auf der Scheibe eine gute Sache ist.

This is water

Nachdem ich mich ein bisschen in die schwarz-weißen Sylt-Fotos von Fotocommunity-Kollegin Sylvia Heinis verliebt habe – Hier eine kleine Auswahl an schwarz-weißen Bildern von Flüssen, Seen und Meeren. Manchmal ist das Wasser nur Beiwerk. Manchmal fragt man sich „Wo soll denn da das Wasser sein?“ Ich mag daran das Grafische und die Ruhe und die Tatsache, dass viele das wahrscheinlich ziemlich nichtssagend finden.