Knöpfe

Denkt an bequeme Pyjamas und eure Lieblingssocken, weil diese kleinen Details es bequemer für euch machen, und denkt an ein Oberteil mit Knöpfen vorne dran, schreibt die fremde Person ins Internet nach ihrer Herz-Op. Denkt an die Oberteile mit den Knöpfen vorne. Also weine ich ganz kurz, nicht weil es mich gerade betrifft und ich Angst haben müsste, ich weine kurz, weil es mich rührt, dass Menschen einander Erinnerungen schicken. An Oberteile mit Knöpfen dran. So etwas kleines banales. Wahrscheinlich ist die Welt gar nicht so verloren.

 

17 Stunden ago

Zwei Arten von Menschen

Manchmal glaube ich, es gibt tendenziell wirklich nicht mehr als zwei Arten von Menschen auf der Welt. Diejenigen, wegen denen Dinge ins Stocken geraten. Und diejenigen, die Chaos verbreiten. Diejenigen, die niemals einen halben Gedanken mit anderen teilen würden. Und diejenigen, die noch nie etwas anderes gemacht haben. Diejenigen, die den Moment zwischen dem Denken und dem Machen unnötig lange hinauszögern. Und diejenigen, die keine Zeit verlieren und einfach loslegen. Und beide werden in die Welt geworfen und müssen jetzt zusehen, wie sie mit sich und dem anderen fertig werden.

Und weil wir alle nicht die gleiche Sprache sprechen und unter unterschiedlichen Bedingungen herangewachsen sind, tun wir so, als würden die Vor- und Nachteile beider Arten von Menschen doch irgendwie auf der Hand liegen. Aber das tun sie nicht. Ist das nicht grauenvoll, aufregend und wunderbar?

1 Woche ago

Beschäftigungstherapie für Narzissten

Seit Wochen lässt mich ja teilweise dieser Gedanke nicht mehr los. Nennen wir es: Beschäftigungstherapie für Narzissten. Ich recherchiere in letzter Zeit viel zum Thema Narzissmus, weil ich es erstens wichtig finde, den eigenen Narzissmus ausreichend zu würdigen … ähm zu erkennen und wieder in gesunde Bahnen zu lenken. Und weil kollektiver Narzissmus gerade ein nicht ganz uninteressantes Thema ist.

Als Küchenpsychologin weiß ich: Narzissten sind im Job häufig zu Höchstleistungen fähig, haben viele gute Ideen, gelegentlich auch Visionen, gehen deswegen aber leider nicht zum Arzt, wie Helmut Schmidt es mal so treffend vorgeschlagen hat („Wer Visionen hat, der soll zum Arzt gehen.“). Manchmal denke ich, den Gewinn, den solche Menschen einem Unternehmen möglicherweise bringen, den ziehen sie indirekt an anderer Stelle wieder in Form von Energie ab. Die Gesellschaft – mittlerweile daran gewöhnt, dass Menschen(gruppen) gerne Lösungen verkaufen für Probleme, die sie selber mitverursacht haben – toleriert das irgendwie. Man gewöhnt sich ja gerade erst an den Gedanken, dass man selber vielleicht manchmal rassistisch und/oder sexistisch denkt und handelt, da kann man sich nicht auch noch die Frage stellen „Bin ich narzisstisch oder sind meine Mitmenschen es möglicherweise und wann findet die Preisverleihung denn nun statt?“

Eine Beschäftigungstherapie für Menschen, die ihren Narzissmus im beruflichen Umfeld nicht bändigen können, könnte die Lösung sein. Wir setzen die Narzissten in 10er Gruppen in ein leeres, noch gut erhaltenes Firmengebäude, und lassen sie den ganzen Tag mit Menschen agieren, die früher Call-Center-Agents waren. Jeder Agent übernimmt eine Patenschaft für maximal drei Narzissten, teilweise könnte vielleicht auch eine 1:1-Betreuung für die besonderen Härtefälle nötig sein, die neben ihrem Narzissmus auch zu viel überschüssige Energie haben und nicht wissen, wohin mit sich und ihrer Grandiosität. Und dann werden diese High-Level-Existenzen von ihren Betreuern in Schach gehalten, die sich mal als unbeholfene Untergebene, mal als persönliche Assistenten, kampflustige Wettbewerber oder andere Abteilungsleiter tarnen. Zoom-Calls, in denen viel gesprochen, aber wenig gesagt wird. Emails, in denen Dinge stehen, die sowieso keiner liest. Schein-Projekte werden angelegt und im Projektmanagementsystem immer ochsenblutrot hinterlegt, damit der Narzisst sieht „Hier passiert zu wenig, ohne mich ist der Laden (also die Presspappenfirma) aufgeschmissen, ich muss jetzt irgendwen anrufen und zur Sau machen.“ Gearbeitet wird im 2-Schicht-System, weil viele bis zu 16 Stunden betreut werden müssen.

Ich sehe da einen Markt. Nach einiger Zeit würde der Rest von uns – also diejenigen, die natürlich auch narzisstisch veranlagt sind, weil diese Gesellschaft irgendwie immer narzisstischer wird, die aber die eigenen Ausschläge besser korrigieren können – feststellen, dass wir tatsächlich an der ein oder anderen Stelle auf die grenzenlose Energie dieser Wahnsinnigen angewiesen sind und die Wiedereingliederung könnte eingeleitet werden. Nur dass diesmal der Narzisst nicht direkt für andere Menschen verantwortlich ist – denn sonst gehen das Geschrei und die Fehltage der Belegschaft ja bald wieder in die nächste Runde – sondern einen Sonderauftrag als… ich weiß es nicht… Change Operator oder so erhält. Oder wir sagen ihnen direkt „Hier ist dein Youtube Account, wir haben dir auch schon 15.000 Follower bei Instagram gekauft und ein paar schlaue Sprüche vorbereitet. Bitte inspiriere uns.“

Ja, ich denke so könnte es funktionieren.

1 Woche ago

Betriebsanleitung

Was würde in deiner Betriebsanleitung stehen, wenn du eine schreiben müsstest? Was verärgert dich mehr? Die Unpünktlichkeit von Menschen, die fünf Minuten zu spät kommen, oder die Unpünktlichkeit von Menschen, die zehn Minuten zu früh kommen? Würdest du beides als Unpünktlichkeit bezeichnen oder schüttelst du über das eine den Kopf, während das andere für dich selbstverständlich ist? Bist du ein typisch Deutscher? Was ist typisch deutsch? Was sagt es über dich aus, wenn du die Frage beantworten kannst oder sie einfach überspringst? Wie schnell räumst du den Tisch ab, wenn du mit Freunden zusammen bist? Bist du Querdenker, Vordenker, Nachdenker?

Bist du lösungsorientiert? Fällt es dir leicht, um Hilfe zu bitten? Behandelst du andere immer genau so, wie du gerne selber behandelt werden möchtest? Bist du jemand, mit dem man Monate später Gespräche wieder aufnehmen kann an genau der Stelle, an der man zuletzt unterbrochen wurde? Wenn du auf Anhieb deine drei wichtigsten Werte benennen müsstest, könntest du das? Und wie lange müsstest du überlegen? Wählst du seit 15 Jahren die gleiche Partei? Findest du Dinge albern, die für andere eine hohe Bedeutung haben? Leidest du mehr als die anderen unter deinen eigenen Schwächen? Welches sind die „Bitte nicht stören“-Dinge in deinem Leben?

2 Wochen ago

50 oder 500 Wörter

Jedes Mal, wenn ich im Netz auf ein Interview von Seth Godin stoße oder seine Blogeinträge lese, bin ich dankbar dafür, dass dieser Mann einfach jeden Tag etwas schreibt und veröffentlicht. Mal sind es 50 Wörter, mal 500. Aber er tut das jeden Tag und sein neues Buch „The Practice“, das am 26. November erscheint, wird sich damit beschäftigen, wie wichtig Konsistenz ist. Eine tolle Frau sagte mir bei unserem vorletzten Telefonat „Franzi, wenn du wütend bist, dann schieb es nicht weg, aber lass es auch nicht zu lange in dir drin und wenn du das Schreiben vermisst, dann schreib und wenn du nicht weist, worüber du schreiben sollst, dann schreib darüber, dass du wütend bist.“

Ich glaube, wenn man darüber schreiben möchte, wie wütend man ist oder wie erschöpft man ist oder wie hart man gerade den eigenen Kopf schüttelt, bis an den Rand eines Schleudertraumas, dann kann man das manchmal in 50 Wörtern machen. Das müssen nicht immer 500 Wörter sein. Das müssen noch nicht mal schön aneinander gereihte Wörter sein. Und es muss auch niemand anderen interessieren.

Ein Teil von mir wünscht sich, dass zwei Handvoll Menschen da draußen sich in den letzten 9 Monaten genau die gleichen Fragen gestellt und zu den gleichen Antworten gekommen sind wie ich. Dass mal jemand kommt, dem ich vertraue und der mich wortlos versteht. Aber manchmal sind Menschen, denen ich vertraue, diejenigen, mit denen ich mich nicht wortlos verstehe, weil wir uns Mühe geben, miteinander zu reden. Manchmal bleibt nicht mehr viel Mühe übrig. In letzter Zeit ist das so. In letzter Zeit frage ich mich oft, ob andere Menschen sich eigentlich auch eine weltweite Schweigeminute herbeiwünschen. Ich wünsche mir einen ganzen Tag voller kaputter Sender und Empfänger. Niemand hat etwas zu sagen, niemand hört bereitwillig zu. Niemand, der bereitwillig zuhört, denkt sich später für sich, dass er vielleicht auch etwas zu sagen gehabt hätte. Niemand fragt sich „Warum hab ich nichts gesagt?“ Niemand macht sich Vorwürfe, niemand ist erreichbar, alle sind bei sich, alle pissen sich in die Hose vor Angst, weil die Schweigeminute sich so unerträglich lang anfühlt.

Ein Teil von mir wünscht sich, dass wir wortlos zu denselben Schlüssen kommen. Dass wir unsere Aha-Momente miteinander teilen können. Ohne Übersetzer. Dass man mir versichert, dass sich da draußen andere Menschen genau wie ich gleichzeitig mehr nach links und rechts, nach oben und unten, nach innen und außen bewegt haben. Ich wünsche mir, dass meine Spiegelneuronen auch mal ein provisorisches Zuhause finden im Kopf einer anderen Person, wenn sich in meinem Gehirn mal wieder zu viele ungebetene Gäste befinden. Mit ihren Ratschlägen, um die ich sie nicht gebeten habe.

Irgendwie schade, dass ich nicht mehr geschrieben habe in den letzten Monaten. Ich hätte es dokumentieren sollen. Wie die Wut entstanden ist. Welche Straßen sie genommen und wo sie nach dem Weg gefragt hat. Wo sie eingekehrt und wem sie begegnet ist und wie sie gewachsen und immer wieder auch geschrumpft ist auf eine handliche Größe.

Eine Schreibpraxis wäre schön. Ein paar Worte aus mir rausplumpsen lassen, auch wenn mir erstmal gar nicht danach ist. Das nimmt die Wut an die Leine. Ich kann sie dann mit mir führen und wenn jemand kommt und mir meine Energie raubt, dann lasse ich sie knurren und sage „Wir gewöhnen uns noch aneinander, es ist etwas schwierig mit ihr, aber ich glaube, sie hat eine gute Seele.“

2 Wochen ago

Die Leiter der Abstraktion

Neulich haben wir wieder diskutiert. Wir streiten nicht, wir diskutieren nur. Es donnert und blitzt nie, es regnet nur immer, dabei kann so ein Gewitter wirklich schön sein. Diskutieren heißt, ich verknüpfe tausend scheinbar unabhängige Dinge miteinander und lasse Bilder in den Köpfen entstehen, die dabei helfen, zu verstehen, wovon ich rede. Du sagst, niemand kann das so gut wie ich. Ich nehme das Kompliment an und sage einfach: Ja, wahrscheinlich kann das wirklich niemand so gut wie ich. Ich bin sehr abstrakt, aber ich kann auch sehr konkret werden. Das Abstrakte hilft dabei, dass niemandem auf die Füße getreten wird und alle außer mir die Zimmertemperatur genießen können. Wenn dann jeder erwachsene Mensch oder diejenigen, die von sich glauben, erwachsen zu sein, sich in Sicherheit wiegt, und ich mich immer noch unverstanden fühle, kommt der konkrete Teil.

Ich steige die Leiter der Abstraktion runter, so schnell kannst du gar nicht gucken, ich schmeiß die Leiter in den Dreck, ich lasse sie achtlos liegen, auch den bürokratischen Teil, der uns oft durch das Leben rettet oder das was davon übrig ist. Ich steige jedenfalls runter und stehe dann mit beiden Füßen in der Scheiße und dann spreche ich darüber. Ich kann ganz lange auf der obersten Sprosse herumturnen, feige und vage und wohlklingend, und ein bisschen auch wohlbehütet. Ich kann das wochen-, monate-, jahrelang durchziehen, bis an den Rand einer Angststörung, ab und zu lasse ich es kleine Tannenzapfen auf die Scheitel der anderen regnen, aber das tut nicht weh, das bisschen Ironie und Sarkasmus, viele bemerken das kaum oder reagieren nicht, weil sie die Kunst der stoischen Ruhe beherrschen.

Ich bin jedenfalls ganz sachte und leise und nahezu unsichtbar, ich deute an, ich weiche aus, ich bin der klassische Introvertierte, ein bisschen tollpatschig, ein bisschen kompliziert und ich drücke mich auch ganz brav ganz eng an die Wand, damit alle anderen ihre schöne kraftvolle Spannweite nutzen können. Ich drücke mich an die Wand, mit meiner eigenen Spannweite. Und dann reicht es mir. Dann schließe ich die vielen offenen Seiten in meinem Kopf, ich drücke auf „Zwischenspeichern“, ich verliere die Fassung.

Neulich haben wir diskutiert, ich weiß nicht mehr worum es ging, ich weiß aber, dass ich ein Bild von zwei Menschen gemalt habe, um dir zu sagen, dass ich dich irgendwie verstehe.

Einer lässt zu, dass die negativen Emotionen, die Wut, die Scham, die Fassungslosigkeit etwas mit ihm machen, er lässt zu, dass sie ihn verändern, kurzfristig, damit er mittelfristig etwas damit machen kann. Der andere betrachtet die negativen Emotionen flüchtig, er gewährt ihnen keinen Zugang, aber er erinnert sich und manchmal passiert es, dass die Person eine Weile später an einem ganz anderen Ort mit ganz anderen Menschen allein durch die Erinnerung es schafft, Dinge aufzulösen, Gemüter zu beruhigen, etwas besser einzuordnen.

Beides ist wertvoll, beides kann die Welt zu einem schlechteren, aber viel öfter auch zu einem besseren Ort machen. Wenn wir versuchen, das Verhalten des anderen zu verstehen. Nachdem wir es (wie die erste Person) ausgiebig bewertet haben oder (wie die zweite Person) ausgiebig und unter enormer Kraftanstrengung versucht haben, jetzt bloß nichts zu bewerten.

Es gibt Menschen, denen ist das eine so fremd wie das andere. Die gucken sich das nicht an, die lassen sich nicht verändern, die finden das affig und nennen es Standpunkt. Von denen rede ich nicht. Ich rede von den Nörglern und den Kaltherzigen, die weder nörgeln, noch kaltherzig sind, aber so wirken müssen, manchmal, auf andere.

Menschen sind spannende Tiere. Und ich kann nicht mehr so lange auf der obersten Sprosse sitzen. Ich habe nämlich Höhenangst. Und da oben passiert ja nicht viel. Man sieht alles, aber keiner hört zu, verständlicherweise. Keiner hört dich reden, keiner hört dich denken. Gott sei Dank und schade eigentlich. Würde man mich denken hören, gäbe es viel mehr geschwollene Lippen und auch viel mehr Girlanden auf der Welt und auch Panzer, die wir irgendwie, falls das möglich ist, als Gulaschkanonen zweckentfremden.

Ich stehe gern da unten in der Scheiße und schneide mich vielleicht hin und wieder an einer Glasscherbe. Es ist schön da, wenn man die Scheiße trocknen lässt und es langsam aufhört zu bluten und man sich überlegen kann, wie man die Wunden versorgen möchte.

„Despair is physical for me. With each new heartbreaking image
and heartless response, I felt hope drain from my body.
Hope is energy. That morning, I ran out of both.
I shut down my computer and climbed into bed at 3:00 p.m.
Abby tucked me in, kissed my forehead.
Out in the hallway, I heard my daughter ask, „Is Mommy okay?“

Abby said, „She will be. She´s feeling it all now.
She has to feel it all so she can use it.
Just wait. Let Mom sleep. When she gets up, something amazing will happen.“

What if we let ourselves feel it all?  What if we decided that it is strength
– not weakness – to let other people´s pain pierce us.
What if we stopped our lives and the world for things
that are worth stopping for? What if we raised our hands and asked,
„Can we stay here for a minute? I´m not ready to run out to recess yet.“

(Glennon Doyle – Untamed)

4 Monaten ago

Alarmanlagen

Ich gehe die große Runde. Am Volleyballfeld vorbei, neben den alten Bahngleisen entlang, Ortsschild, Kurve, Altglascontainer, Kreuzung, der Müllsammler schiebt eine volle Tüte in den Altkleidercontainer, neben ihm ein Haufen anderer Tüten, ich wende mich nach links, noch einen Bogen machen vorbei an dem Spielplatz, auf dem ich mich neulich unter einen Baum gestellt und einen Podcast zu Ende gehört habe, als es so stark geregnet hat. Ich gehe die große Runde und denke über Extrawünsche und Grundbedürfnisse nach. Extrawünsche hat man dann, wenn man gesund und glücklich ist. Grundbedürfnisse müssen erfüllt und beschützt werden, damit man überhaupt halbwegs gesund und glücklich bleiben kann. Bleiben, leben und arbeiten. Grundbedürfnisse orientieren sich an Werten und die darf sich jeder selber aussuchen. Ja, liebe Genossinnen und Genossen, die dürft ihr euch ganz alleine aussuchen, da hat die Gesellschaft nichts mit zu tun, auch wenn der Volksmund ständig das Wort an sich reißt, und auch euer Vorgesetzter, der Gemeindepfarrer, Nachbars Lumpi oder eure Mutter haben da kein Mitspracherecht.

Ich stelle mir die Frage nach meinen Werten seit vielen Jahren und zwei Werte tauchen dabei immer wieder auf. Unabhängigkeit und Ruhe. Wenn ich meine Unabhängigkeit und meine Ruhe verliere, sendet mir mein Körper eindeutige Signale. Verspannungen, Herzrasen, Ohrensausen, Druck auf der Brust, Müdigkeit. So „harmlos“ und so sehr ein Teil von mir, dass ich sie nicht mehr richtig wahrnehme. Wenn ich es nicht verstehen will, kommen die Panikattacken. Ich wünsche jedem Menschen Panikattacken, der noch nie eine Panikattacke hatte. Ich wünsche ihnen Panikattacken zu den ungünstigsten Zeiten und an den unpassendsten Orten. Eine anständige Panikattacke alle 6 Monate für jeden von uns und wir würden uns vielleicht anders verhalten oder unsere Worte in einer vollkommen anderen Reihenfolge aneinander reihen.

Dann kommen die Schlafstörungen. Nach den Schlafstörungen kommt der Teil, an dem ich vor Wut die Küche oder das Bad putze. Dann kommt der Traum von den herausfallenden Zähnen. Ich schlafe verhältnismäßig gern – auch wenn mein Kopf sich manchmal dagegen wehrt – weil mir im Traum nie langweilig wird. Ich träume vom Fallen, von moosbedeckten Welten, von brennenden Häusern und vom Krieg. Eine meiner eindrucksvollsten Begegnungen war die mit dem Schornsteinfeger im Zeppelin. Manchmal werde ich in einen Operationssaal gerufen, wo ich ein kaputtes Knie operieren muss, etwas anderes traut man mir auch nach jahrelanger Erfahrung noch nicht zu. Es ist immer ein verdammtes Knie. Und es blutet nie, es ist innen immer hohl. Ich operiere trotzdem. Gott weiß warum. Der schlimmste Traum ist der Traum mit dem Tintenfleck. Weil eigentlich nichts passiert, außer dass ich einem Tropfen dunkelblauer Tinte stundenlang dabei zusehe, wie er sich langsam auf einem Stück Papier ausbreitet. Der zweitschlimmste Traum ist der Traum mit den herausfallenden Zähnen. Sie lockern sich, ganz plötzlich, sie landen auf meiner Zunge, ich spucke sie aus in meine Handfläche und am nächsten Morgen weiß ich, dass es mir gerade wirklich nicht gut geht.

Der Traum zeigt mir, dass ich mein Bedürfnis nach Ruhe und nach Unabhängigkeit nicht beschützt habe. In mein Haus wurde eingebrochen, obwohl die Alarmanlage angegangen ist. Jemand hätte da sein müssen, jemand hätte kommen müssen, es war niemand da. Ich war nicht da. Ich stand im Garten, ich hab das Heulen gehört, aber weil ich zu vielen selbsternannten Experten für Alarmanlagen zugehört habe, hab ich dem Geräusch keine Beachtung geschenkt. Ich hab da gestanden und die Blumen gegossen und kurz innegehalten und mich gefragt: Bellen sie schon wieder, die Hunde des Nachbarn, die eigentlich längst hätten beißen sollen?

Ich glaube, die Einbrecher und die Alarmanlagen-Experten und ich, wir drei, wir halten uns gegenseitig am Leben. In diesen Rollen, die sich eigentlich kein Mensch freiwillig aussucht. Eigentlich. Es würde die beiden gar nicht geben, wenn es mich nicht gäbe, wenn ich nicht zuhören, wenn ich die Alarmanlage nicht aufhängen und wenn ich den Lärm nicht ignorieren würde. Ein Gedanke, der seine Wirkung entfaltet, je länger ich darüber nachdenke. Vielleicht sollten wir uns andere Lieblingsbeschäftigungen, andere Rollen, eine bessere oder überhaupt erstmal eine Strategie für das Schützen unserer Werte suchen. Unseres Zuhauses.

Aus dem Anschlagen der Alarmanlage wird das Klingeln an der Haustür. Aus Einbrechern können Gäste werden.

5 Monaten ago

Denkt euch bitte hier ein Bild von Bedeutungslosigkeit und Glück und einer Insel und einem Spatz

Heute bin ich aufgewacht und habe beschlossen, dass es mir ab sofort wichtiger ist, ein glückliches Leben zu führen als eines, das irgendeine höhere Bedeutung hat.

Die letzten Jahre habe ich damit verbracht, viel zu oft zu denken: Gott sei Dank bin ich niemand dieser Menschen, die glauben, dass sie ihre innere Leere mit schnellen Autos, aufgeblasenen Egos, Bilderbuch-Momenten auf Instagram, Hygge und Kalendersprüchen füllen müssen. Weil: Das ist ja offensichtlich ziemlich großer Schwachsinn. Das Tückische ist: Es gibt auch den Schwachsinn, der weniger offensichtlich ist. Er ist ein bisschen differenzierter, ein bisschen subtiler, ein bisschen bescheidener. Aber immer noch ziemlicher Schwachsinn. Abstrakter. Ja, so kann man es nennen. Der eine Schwachsinn ist ganz konkret und mein Schwachsinn ist eher abstrakt und daher etwas schwerer zu fassen. Kennt ihr diesen Glibberschleim von früher? Das ist mein persönlicher Schwachsinn.

Die einen sind die Sonntagscharaktere von der Bacardi-Insel, die sich gegenseitig mit Raffaelo füttern. Ich bin ein Donnerstagscharakter. Wir Donnerstagscharaktere sind nicht ganz so braungebrannt und optimistisch wie die Sonntagscharaktere. Wir sind realistisch. Vielleicht wären wir es auch einfach nur gerne. Wir füttern uns gegenseitig mit Pommes. Wir sitzen aber auf der gleichen Insel  fest. Wir kapieren das nur irgendwie nicht, weil sich manchmal ein schlaues Buch oder ein dummer Zufall zwischen uns und die anderen Menschen schiebt, von denen wir uns bitteschön abgrenzen möchten. Weil die nämlich total unbewusst sind. Und wir nicht. Wegen den Ted Talks und den Büchern und den schlauen Gedanken und außerdem sind wir auch manchmal viel zu melancholisch, um ein unbewusstes Leben zu führen. Bei uns geht es nämlich um Inhalte. Unglücklicherweise machen uns die Inhalte, um die es uns angeblich immer geht, nicht glücklicher. Vielleicht geht es uns also in erster Linie um Selbstschutz und erst dann um Inhalte.

Ich habe also beschlossen, mich eher darauf zu konzentrieren, ein glückliches Leben zu führen. Die Leiter der Abstraktion wieder hinuntersteigen. Interessanterweise muss das ja nicht heißen, dass man jetzt ganz andere Dinge tut. Es heißt nur, dass man etwas freundlicher zu sich selbst ist, während man diese Dinge tut. Zu sich und vielleicht auch zu den anderen. Aufrichtiger. Die Selbstoptimierungsbranche erinnert uns täglich an die höchste Stufe der maslowschen Bedürfnisspyramide. Stufe 5. Die Selbstverwirklichung. Die oberste Sprosse der Leiter. Der Einzelne soll sich unbedingt selbst verwirklichen. Etwas erschaffen. Er vergisst darüber hinaus die Freude des Bastelns. Basteln hat nicht unbedingt den Anspruch, der Stein des Anstoßes zu sein. Basteln muss niemanden inspirieren oder zum Nachdenken anregen. Bastler sind bei sich und bei der Sache und die bereitet ihnen Freude. Bastler sind Erschaffer ohne Beißschiene. Sie sind glücklich, auch wenn sie es mal nicht sind. Sie verwirklichen sich selbst, aber sie denken nicht daran, während sie es tun.

Ich glaube, Bastler können auch Einladungen und Hilfe besser annehmen als Menschen, die panische Angst vor der eigenen Bedeutungslosigkeit haben und die sich viel zu häufig fragen: Bin ich grad unfähig oder fühl ich mich einfach nur so und was ist, wenn ich mich nie wirklich selbstverwirkliche? Wer die eigene Unsicherheit, die eigene Bedeutungslosigkeit, aber auch die eigene Größe in den Worten und Handlungen anderer Menschen sucht, wird sie dort immer finden. Das trifft auch auf alles andere zu.

Wenn ich mal alt bin, dann möchte ich sagen: Wir haben in der besten und in der schlimmsten aller Welten gelebt, aber ich habe irgendwann beschlossen, dass eins davon für mich eine größere Rolle spielt und das hat mich weder egoistisch, noch größenwahnsinnig und auch nicht starr vor Schreck werden lassen. Die schlimmste aller Welten lebt von Menschen, die diesen inneren Zwiespalt nie so richtig aufgelöst haben.

Ich hab eine Pizza in der Hand und eine Steinschleuder in der Tasche, für schlimme Notfälle, und ich sitze auf einer Bank unter einem Baum und der Baum ist schön und ich beobachte die Taube auf dem Dach gegenüber und sie macht einen Riesenlärm, sie übertönt alles, sie schreit den Spatz an, der zwei Meter vor mir sitzt und mich beäugt. Ich weiß nicht, ob Spatzen Menschen beäugen und der Lärm nervt und ich weiß nicht, wann und ob ich ihn überhaupt ganz ausblenden kann, aber: Ich hab eine Pizza in der Hand. Und die esse ich jetzt. Und mit jetzt meine ich immer.

Ich wünsch euch, dass ihr gute Antworten bekommt, weil ihr gute Fragen stellt und dass ihr glücklich seid, auch wenn ihr es mal nicht seid.

5 Monaten ago

Wen wir meinen, wenn wir über schwache Menschen sprechen.

01. August 2004

Seit fast 16 Jahren drehe ich nun schon den Kopf weg oder schließe meine Augen für einen kurzen Moment, wenn in Filmen jemand Blut hustet. Wenn ich nicht schnell genug bin, wird der Autopilot angeworfen und ich werde schlagartig zurückversetzt in die Nacht im August 2004, an meinen Schreibtisch, an dem ich nachts um halb eins gesessen und geschrieben habe bis zu dem Moment, an dem ein Hustenreiz meine Konzentration beendete. Ich weiß noch, an welchen Stellen meiner linken Handinnenfläche der erste Tropfen Blut landete, ich weiß, dass direkt danach ein neuer Hustenreiz mich aus dem Schreibtischstuhl hob und ins Badezimmer brachte und ich höre auch noch das Rasseln meiner Lunge, das im gleichen Moment einsetzte.

„Die Hämoptyse (Bluthusten) ist das Auftreten von Blut im Auswurf (Sputum). Das Blut kann dabei aus den Blutgefäßen der Bronchien, der Luftröhre oder des Lungengewebes stammen.“

Mein Bluthusten wurde von einem Teratom im linken oberen Lungenlappen ausgelöst, das 19 Jahre lang mit mir mitgewachsen ist. Und bis vor zwei Jahren war dieser Moment im August für mich der schlimmste Tag meines Lebens. Er leitete die damals schlimmste Woche meines Lebens ein, in der mir kein Arzt helfen konnte und in der ich mit einem Ruhepuls von 130 die meiste Zeit daheim im Bett lag, neben mir einen Eimer Wasser, über den ich mich alle halbe Stunde beugte um eine Mischung aus Blut + Gewebe hineinzuspucken.

Eine Woche später stand Yvonne Catterfeld an meinem Krankenhausbett auf der Intensivstation des Frankenberger Krankenhauses. Yvonne Catterfeld war zu dieser Zeit mit einem Song in den Deutschen Charts vertreten und sie stand nicht wirklich und leibhaftig an meinem Bett, warum sollte sie denn auch, aber man hatte mir ein Beruhigungsmittel gegeben und mein Gehirn machte daraus ein vollkommen sinnloses kleines Privatkonzert. Über Stunden hinweg versprach Yvonne Catterfeld mir immer und immer wieder: „Für dich schiebe ich die Wolken weiter. Sonst siehst du den Sternenhimmel nicht. Für dich dreh‘ ich so lang an der Erde. Bis du wieder bei mir bist.“

Der aufnehmende Arzt am Uniklinikum Marburg sagte am nächsten Morgen zu meiner Mutter und mir, dass sie noch nicht genau wissen, was mir fehlt, dass es vielleicht eine sehr seltene Art von Lungenentzündung ist, vielleicht auch ein Tumor, und dass sie alles tun werden, um mir zu helfen. Die anschließenden Wochen haben sich in einem kleinen Raum in meinem Kopf eingerichtet. Man findet dort Schläuche und blaue Häubchen und Schlafanzughosen und Wundschmerz und Wundwasser und eine Dose voller Kaliumtabletten und ein Mixtape von Freunden und viele Lachtränen und eine Pizza vom Lieferdienst, den das Pflegepersonal einmal die Woche in Anspruch nahm. Und einen Scheibenweltroman, den eine meiner Cousinen mir schenkte.

Seitdem weiß ich: „Die richtige Funktionsweise des Universums basiert auf dem Gleichgewicht von vier Elementen: Zauber, Überzeugungskraft, Ungewissheit, verdammte Sturheit.“ (Terry Pratchett)

Ich kann mich nur an einen Moment erinnern, an dem ich geweint habe in dieser Zeit. Was verwunderlich ist, denn ich weine sehr schnell und dann weine ich mich auch häufig bis an den Rand eines Salzmangels. Ich wurde mit Antibiotikum behandelt und nach fast drei Wochen ging es mir tatsächlich etwas besser. Der Puls hatte sich beruhigt, der Hustenreiz war weg. Ich sollte wieder entlassen werden, am 27. August. Am 26. August trat der Arzt zu mir ans Bett und teilte mir mit, dass ich am nächsten Tag nicht entlassen, sondern operiert werde. Und ich bedankte mich und heulte vor Erleichterung, als er das Zimmmer wieder verlassen hatte. Ich wollte nicht nach Hause gehen, ohne zu wissen, was mit mir los ist. Die Zeit in der Klinik ist für mich eine positive Erinnerung geblieben. Wegen den Menschen, die mich besucht, die ich dort kennen gelernt, die mir dort geholfen haben.

13. Februar 2018

Wenn ein Mensch im Film Angst um das eigene Leben oder gerade einen schweren Verlust erlitten hat, dann kann man ein Weinen beobachten, das sich wellenartig ausbreitet, um dann in Schreien überzugehen. Kein besonders lautes schreien, eher ein Schreien mittlerer Lautstärke, ein Zusammenschrumpfen und ein Festhalten an etwas, was gerade da ist. Eine Tischkante, ein Mensch, ein Treppengeländer. Ich hatte das selber nie erlebt oder bei anderen beobachtet und ich habe mich manchmal gefragt, was passiert, dass die Kehle plötzlich weiß, wie sie diesen speziellen Laut erzeugen kann.

Einen Tag zuvor hatte ich jedenfalls noch nicht geschrien, sondern nur in einem vollen Café in Berlin bei Tee und Schokokuchen leise geweint. Und mich zwischen der plötzlich sehr präsenten Angst auch über mich selbst geärgert. Denn wer fragt, bekommt auch früher oder später Antworten. Wenn man jahrelang viele kleine miteinander verbundene Fragen gestellt und viele Zwischenantworten erhalten hat und wenn man dann diese vielen Fragen auf eine einzige große Frage herunterbrechen kann – „Habe ich eine genetische Bindegewebserkrankung, die im ungünstigsten Fall vor meinem 50. Lebensjahr tödlich enden wird?“ – der muss mit der bestmöglichen und mit der schlimmst möglichen Antwort rechnen und auch mit allem was dazwischen ist.

Ich habe auf die Beantwortung der Frage mehr als 17 Monate lang gewartet. Ich habe an einem perfekten Sommertag letztes Jahr eine Antwort erhalten, die irgendwo in der Mitte liegt, mit der ich leben kann und die mir gezeigt hat, dass ich mich auf meine Intuition verlassen kann. Aber an diesem Dienstag im Februar 2018, einen Tag nach dem Termin in der Berliner Charité, da konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Antwort anders als schlimmst möglich ausfallen wird. Ich wusste jetzt seit ungefähr 24 Stunden, dass die klinische Untersuchung nicht eindeutig gewesen ist, dass meine Aortenwurzel aber leicht erweitert ist und dass viele scheinbar unauffällige Dinge, die in den letzten dreißig Jahren meines Lebens passiert sind, darauf hindeuten können, dass ich eine Bindegewebserkrankung haben könnte, die je nach Ausprägung blutig enden könnte.

An diesem Tag stand ich in der Küche und hatte Angst, ich hatte Panik, ich hielt mich an der Arbeitsplatte fest, ich spürte den Raum um mich herum kleiner werden. Und meine Kehle machte diesen Laut. Der schlimmste Tag meines Lebens besteht seitdem mehr oder weniger nur aus diesem einen Geräusch.

02. März 2020

Der 2. März ist der Tag, an dem mir bewusst wird, dass etwas nicht stimmt. Ich bin angespannt. Ich bin nicht nur nah am Wasser gebaut, ich lebe in einem verdammten Hausboot. Ich habe Angst und niemand reagiert auf meine Angst, weil niemand weiß, wo sie herkommt. Vielleicht bin ich mittlerweile offen für diese Angst, weil ich meinen persönlichen schlimmsten Tag meines Lebens genau kenne, weil ich da nicht lang überlegen muss und weil mein übermäßiger Drang danach, Dinge zu analysieren und Antworten zu bekommen, mich mit der Zeit sensibilisiert hat für Dinge, die andere der psychischen Gesundheit zuliebe einfach nicht beachten.

Zwei Wochen lang laufe ich mit einem Gefühl herum, das ich schon von früher kenne, das mir aber seit dem Ergebnis der Blutuntersuchung beinahe fremd geworden ist. Ich habe das paranoide Gefühl, dass die gesamte Angst dieser Welt mir im Nacken sitzt und sich nicht gleichmäßig und fair auf die gesamte Menschheit verteilen lässt, weil gefühlt alle anderen um mich herum ihre eigenen negativen Gefühle zum Heulen in den Keller gesperrt haben, anstatt sich wenigstens ein Mal mit ihnen an den scheiß Küchentisch zu setzen, ihnen ein Stück Marmorkuchen anzubieten und zu sagen „Wir sind keine Wohngemeinschaft. Ihr bezahlt hier keine Miete. Ihr wohnt nicht hier. Aber ihr seid hier willkommen, ich weise euch nicht ab, ich sperr euch nicht weg.“ Zwei Wochen lang frisst die Angst mir die Haare vom Kopf. Dann, von einen Tag auf den anderen, verschwindet die Angst. Verteilt sich in meiner Umgebung, hält Abstand zu mir.

Ich lerne noch mehr über mich in dieser Zeit. Dass es Formen der Angst gibt, die etwas mit dem mangelnden Gefühl von Verbundenheit zu tun haben. Dass ich es körperlich spüre, wenn sich um mich herum zu viel Dogmatismus breit macht, lange bevor mein Verstand es begreift. Dass vieles von dem, was ich richtig schön scheiße finde, etwas ist, was ich in den letzten Jahren nicht ausreichend in mein Leben geholt habe. Dass jeder Mensch ein Macher und ein Denker ist, ein Problembewusster und ein Lösungsorientierter, aber wir sehen das manchmal nicht, weil auch jeder nach seiner eigenen Melodie und Geschwindigkeit und Lautstärke lebt.

Und dass ich das Recht in Anspruch nehmen möchte, mich nicht angesprochen zu fühlen, wenn in Zeiten wie diesen von „den alten und den schwachen Menschen“ die Rede ist. Meinen die damit all die Leute, die an der alltäglichen Scheiße des Lebens noch nicht vollends verzweifelt oder zerbrochen sind? Die sogar mit einer gewissen Selbstgenügsamkeit darüber lachen können? Die eingeschlafen und wieder aufgewacht sind? Die Leute, die hinfallen und dann mit blutigen Knien wieder aufstehen? Ich glaube, wir sollten uns sobald wie möglich mal alle gemeinsam Gedanken darüber machen, was mit Stärke und Schwäche eigentlich gemeint ist, wie beides miteinander verbunden ist und in welchen Maßstäben wir überhaupt denken. Woran erkennt man starke und schwache Menschen? Kann man das messen? Sollte man das messen können?

Ich geh jetzt mal kurz meditieren.
Weiterhin alles Gute, bleibt gesund, eure Franziska.

8 Monaten ago