Introvertiert – Das Unsichtbare sichtbar machen

Um euch einen kleinen Eindruck dessen zu vermitteln, möchte ich ein paar Situationen der letzten zwanzig Jahre mit euch teilen.Da war der Bürgermeister, der mir mit vierzehn auf einem Volksfest mal gesagt hat, ich soll doch nicht so böse gucken und mal lächeln. Und das eine Mal, als ich mit sechzehn zwei Stunden heulend am Rande einer Party auf dem Fußboden gesessen habe, weil ein Besoffener es sinnvoll fand, mir mitzuteilen, was für ein überaus seltsamer Mensch ich bin, und niemand – mich eingeschlossen – mich verteidigt hat.

Da waren all die Tage und Nächte, in denen ich mich innerhalb einer Gruppe von Leuten als jemand gefühlt habe, der nur ein kurzes Besuchsrecht hat. Das eine Mal, als mir der Trubel auf einer Party zu viel wurde, ich mich kurz zurückgezogen habe und vom Treppenhaus aus ein Gespräch von zwei „Freundinnen“ belauschte, in dem es primär darum ging, dass „Franzi immer so komisch ist.“ Jede Vorstellungsrunde, in der ich es gerade so geschafft habe, meinen Namen zu sagen, weil alles darüber hinaus mir in dem Moment albern und falsch vorkam. Das eine Mal, als ich einfach nicht zu einem Vorstellungsgespräch erschienen bin.

All die Male, in denen ich meine eigenen Ideen nicht aus vollem Herzen verteidigt habe, weil ich das diffuse Gefühl hatte, jetzt zu laut, zu selbstbewusst, zu übergriffig, zu dominant zu sein. All die Momente, in denen sich das so anfühlt, als würde man seine eigenen Ideale immer und immer wieder verraten.

Man könnte sich bei dieser Auswahl jetzt auf zwei Merkmale konzentrieren und die Sache abkürzen. Man könnte sagen, dass ich 1. wohl einfach nicht selbstbewusst genug war und bin und dass 2. Menschen manchmal einfach ziemliche Nulpen sind, vor allem nach zwölf Bier oder acht Tequila Sunrise und besonders als Teil einer Herde.

Im Jahr 2015 habe ich angefangen, diese doch sehr einfache Erklärung zu hinterfragen. Eher unfreiwillig, könnte man sagen. Ich litt damals bereits seit mehr als drei Jahren unter regelmäßigen Panikattacken, konnte mich an der Arbeit immer weniger konzentrieren und nahm schon seit einer ganzen Weile körperliche Veränderungen an mir wahr, die mir Sorgen bereiteten. Drei Jahre lang habe ich mich jeden verdammten Tag gefragt, ob ich mir das alles irgendwie einbilde oder ob es eine organische Ursache für all das gibt, von der ich nichts weiß.

2015 war ein schwieriges Jahr für mich. Ich hatte zeitweise hohen Blutdruck. Ich hab mich öfter weinend auf der Toilette eingeschlossen. Und im Frühling habe ich mich zwei Monate lang jeden Tag nach Feierabend nach einem Bier gesehnt.

Und auch wenn es nicht häufig dazu gekommen ist, auch wenn ich in dieser Zeit nur an ein oder zwei Abenden direkt den Kühlschrank aufgesucht und mich mit einem Bier auf das Sofa gesetzt habe, muss ich das erwähnen, weil der Mensch so wahnsinnig naiv ist und glaubt, dass ihm die schlimmen Dinge nie passieren, dass er nie in Zeitlupe irgendwo reinrutscht, dass er immun ist dagegen, sich selbst aufzugeben.

Ich gehe mit diesen gesundheitlichen Problemen mittlerweile anders um. Ich finde sie nicht berauschend, aber sie sind mir auch nicht mehr so lästig, ganz im Gegenteil. Vor allem die Panikattacken erscheint mir persönlich im Nachhinein als ein, als großer Schrecken getarntes, „liebevolles“ Warnsignal des eigenen Körpers. Man hat Todesangst in diesen akuten drei bis fünfzehn Minuten. Es kündigt sich oft unterschiedlich an, aber viele Dinge bleiben immer gleich und wiederholen sich. Und danach ist man manchmal bis zu drei Tage lang völlig müde und ausgelaugt. Es ist eine schlimme Erfahrung, aber es lohnt sich, das Wort schlimm manchmal durch „faszinierend“ zu ersetzen.

Es kommt irgendwann der Punkt, an dem man dankbar ist für die erste Panikattacke und für die letzte und alle dazwischen.

Wie es zu meiner ersten bewussten Panikattacke im Januar 2012 kam, darüber werde ich irgendwann ganz bestimmt noch etwas schreiben. Nach einigen Jahren hatten sie einen Teil ihres Schreckens für mich verloren. Mehr Probleme machten mir vor allem an der Arbeit Dinge wie Konzentrationsprobleme, Stimmungsschwankungen und Herz-Kreislaufprobleme.

Wir waren im Sommer 2014 mit der Firma umgezogen, in der ich seit neun Jahren arbeitete. Ich hatte mich auf die Veränderung gefreut und mein damaliger Chef wusste, dass ich mir abgesehen von meinem Schreibtisch direkt hinterm Empfangsthresen einen ruhigeren Platz wünsche, an den ich mich notfalls zurückziehen kann, wenn die Arbeit viel Konzentration und wenig Unterbrechung erforderte. Wir hatten zuvor mehr als einmal darüber gesprochen. In den alten Räumen hatten wir mittlerweile nicht nur ein Platzproblem, es wurde auch immer offensichtlicher, dass wir nicht konzentriert und innerhalb des Teams halbwegs organisiert arbeiten können, wenn ständig unangemeldet Kunden in der Tür stehen, die einem dann beinahe auf dem Schoß sitzen.

Es war ihm dann im Eifer des Gefechts und bei all den Plänen offenbar nicht mehr so besonders wichtig, sich wirklich mit allen seinen Angestellten abzustimmen. Die Hausnummer änderte sich, meine persönliche Situation nicht, weil ich einen ganz entscheidenden Fehler gemacht habe. Ich habe anderen mehr vertraut als mir selber. Und mich dann versucht, da irgendwie ganz ohne direkte Konfrontation durchzukämpfen. Der gute alte „Jaja, geht schon, blöd gelaufen, mache ich schon irgendwie.“-Fehler. Ich liebe ihn, diesen zeitlosen Klassiker.

Vor allem Frauen begehen ihn jahrelang immer wieder mit großem Eifer. Er ist wie ein sehr bequemer Trenchcoat, den man zehn Jahre lang täglich tragen kann. Wie eine zweite Haut. Bis man irgendwann das Gefühl hat, dass er zu klein geworden ist.

Ich habe nicht dafür gekämpft, gesund zu bleiben und meine best mögliche Arbeit machen zu können. Weil ich die Umstände, meine Reaktionen darauf und mein körperliches Befinden gar nicht miteinander kombiniert habe. Die Ergebnisse waren zufriedenstellend, es ging ja irgendwie und solange man als Betroffener morgens das Büro nicht schreiend mit den Worten „Ihr macht mich alle krank!“ betritt, können die Leute immer gut damit leben. Ich weiß noch, wie ich einmal versucht habe, einem von ihnen zu vermitteln, dass es schön wäre, wenn nicht immer ich als erste ans Telefon gehen würde, wenn der Chef nicht da ist. Ein etwas verdutztes schweigendes „Aber das haben wir doch schon immer so gemacht.“-Gesicht war die Reaktion darauf. Ich hab es nicht nochmal versucht. Ein paar passiv-aggressive Zwischenbemerkungen, ein bisschen Winke-Winke mit dem Zaunpfahl, sonst nichts. Ich mache niemandem einen Vorwurf. Es war eine schlecht umgesetzte Bitte um Hilfe und Unterstützung, die bei den allermeisten Empfängern als sinnloses, etwas unbequemes Gejammer ankommt.

In den letzten Monaten im alten Job habe ich begonnen, meine eigenen Reaktionen zu beobachten. Wie reagiere ich auf Reize, auf alles, was um mich herum passiert? Wie geht es mir, was macht das Rauschen im Kopf, wie schnell schlägt mein Herz, wenn ich kreative Arbeit mache, während das Radio laufen muss, zwei Menschen sich nebenan unterhalten, das Telefon klingelt und ich jederzeit damit rechnen muss, dass gleich ein Kunde spontan vorbeischaut? Wie reagiert mein Körper auf diese Scheiße und meine eigenen Unfähigkeit, die Scheiße im entscheidenden Moment anzusprechen? Das war vor ungefähr zwei Jahren. In meinem Rückblick auf das Jahr 2015 habe ich das bereits angesprochen.

Ich glaube, ich bin damals über einen Artikel gestolpert, in dem erklärt wurde, dass Menschen im Berufsleben bei ihrer Arbeit unterschiedliche Geräuschkulissen bevorzugen, um sich noch einigermaßen wohlzufühlen. Darin habe ich zum ersten Mal wirklich aufmerksam von den Unterschieden extrovertierter und introvertierter Menschen gelesen, die über „Der eine ist laut und der andere halt leise oder schüchtern“ hinausgehen. Neben einigen Büchern, von denen das hier von Susan Cain wahrscheinlich das bekannteste ist, habe ich mittlerweile eine Menge Artikel zu dem Thema gelesen, Ted Talks geschaut und mich manchmal auch darüber gefreut, dass jemand wie Gunter Dueck, dessen Name zunächst einmal mit anderen Dingen in Verbindung gebracht wird, dieses Thema in irgendeiner Art und Weise manchmal in seinen Vorträgen anschneidet.

Die für Extrovertierte optimale Dezibelzahl entspricht übrigens nicht der Geräuschkulisse auf dem Oktoberfest und die Introvertierten sehnen sich auch nicht nach absoluter Stille, um konzentriert arbeiten zu können. Die Unterschiede sind offensichtlich, aber nicht so krass wie es vielleicht hier und da gerne dargestellt wird. Beide haben einfach eine eigene Wohlfühllautstärke bzw. Reizschwelle, die sich auch immer daran orientiert, ob derjenige mit einem halbwegs geladenen Akku in den Tag startet.

Das hängt damit zusammen, dass das Gehirn von Introvertierten in Ruhephasen von Natur aus eine höhere Aktivität aufweist.  Introvertierte haben ein reiches Innenleben und ich bedaure es sehr, dass ein Extrovertierter das nicht sehen und häufig auch nicht nachempfinden kann.

Passieren viele Dinge gleichzeitig, brauchen Introvertierte länger, um sich ein bisschen zu ordnen. Und werden dabei gelegentlich als etwas sonderbar wahrgenommen. Was dann wieder den Bogen zurück zu den Leuten schlägt, die mich früher und möglicherweise heute noch irgendwie sonderbar finden. Wenn man sich immer und immer wieder neu ordnen muss, wird es anstrengend. Und irgendwann rächt sich der Körper dann. Eine gut erklärte Zusammenfassung zum Thema Hirnchemie bei Introvertierten könnt ihr bei Geist und Gegenwart nachlesen, einem Blog, den ich generell empfehlen möchte.

Das Intro-Extro-Thema ist nicht deshalb mein Thema, weil ich der ultimative introvertierte bin, der Partys meidet, Risikos scheut und Small Talk hasst und ein bisschen PR für die „leisen Menschen“ machen will. Ich stehe dem ganzen sozialen Miteinander grundsätzlich wohlwollend gegenüber, denn wir Menschen sind ja nicht nur auf der Welt um uns unabhängig voneinander im stillen Kämmerlein auszudrücken, sondern auch um gelegentlich ein kleines Leuchten in den Augen unserer Mitmenschen zu entfachen und einander beim Kotzen auf der Toilette die Haare zurückzuhalten. Die Merkmale von Introvertierten und Extrovertierten können in einer Person in jeweils unterschiedlichen Bereichen mal mehr und mal weniger ausgeprägt sein, den totalen Intro oder Extro gibt es also gar nicht oder wirklich eher selten. Aber ich muss zugeben, dass ich eher der Typ bin, der mit fünf oder sechs Leuten in die Eckkneipe geht und über die neue Weltordnung und mögliches Leben nach dem Tod spricht, anstatt mit den fünfzehn engsten Freunden die Whoooo-Party zu sprengen und 7 Stunden am Stück quirlige Lebensfreude zu verbreiten.

Es ist mein Thema, weil die Unwissenheit der Leute und vor allem meine eigene Verantwortungslosigkeit und Feigheit mich in den letzten Jahren wortwörtlich krank gemacht haben.

Es geht um meine eigene Gesundheit. Um Grenzen, die ich nicht verteidigt habe, weil ich mich an anderen gemessen habe, die entweder ganz anders sind als ich oder keine Lust haben, sich selber kennen zu lernen.

Und es ist auch mein Thema, weil Menschen wie ich viel zu oft falsch eingeschätzt oder übersehen werden. Meine Kreativität, mein Humor und meine Sicht der Welt werden stark von meiner Introversion geprägt. All die Dinge, die mir etwas zurück geben, die für mich Sinn ergeben, die meine Identität formen, sind abhängig davon, wie ich mit meiner Energie, mit meiner Aufmerksamkeit haushalte.

Und gäbe es keine messbaren Unterschiede in der Hirnphysiologie der beiden Persönlichkeitstypen, könnten wir das Thema direkt abhaken, uns selig die Hände reichen und sagen „Hach, schön dass kein Mensch ist wie der andere und wir mal kurz drüber gesprochen haben.“ Aber es gibt diese Unterschiede. Sie sind da. Selbst das Blut in unseren Köpfen nimmt bei einem introvertierten teilweise andere Wege als bei einem extrovertierten. Ich finde das wahnsinnig spannend. Und Introversion ist ein Wirtschaftsfaktor, über den in Deutschland immer noch viel zu wenig geredet wird.

Der Introvertierte ist totmüde, der Extrovertierte dreht gerade erst richtig auf. Der Introvertierte wirkt manchmal etwas hölzern, distanziert, kautzig, vor allem in größeren Gruppen oder wenn er allein auf einer Veranstaltung herumsteht. Der Extrovertierte ist entspannt, aufgeschlossen, selbstsicher.

Der Introvertierte sieht Zusammenhänge, er abstrahiert gern, er hat einen guten Instinkt, wirkt aber oft wie ein unbeholfenes Schulkind beim Versuch, darüber zu sprechen.

Der Extrovertierte ist ein toller Unterhalter, clever, wortgewandt, charismatisch und er redet hin und wieder ganz knapp am Kern einer Sache vorbei. Vielleicht weil er schon das Fruchtfleisch für den Kern hält. Vielleicht auch weil die Umstände ihn dazu zwingen.

Wir haben hier – in der Theorie – zwei Arten von Menschen, die voneinander lernen und einander zuhören müssen. Die auf Belohnung von außen unterschiedlich reagieren. Die möglicherweise sogar unterschiedlich anfällig für Suchtverhalten, aber auch für Depressionen sind. Die anders verhandeln, Dinge anders interpretieren und einordnen. Zwei Menschen, die sich übrigens auch perfekt ergänzen und die nicht grundsätzlich total gegensätzlich sind, sondern sich auf einer breiten Skala immer wieder aufeinander zu und auch wieder voneinander weg bewegen.

Ich möchte meinem sechzehnjährigen Ich heute immer wieder sagen: Dir fehlt nichts. Und ich will bei dem Thema nicht in fünf oder zehn Jahren immer noch in so viele leere oder fragende Gesichter schauen. Ich möchte Leute, die glauben, dass mündliche Beteiligung in der Schule heutzutage etwas über Leistung und – wichtiger noch – Eignung aussagt, auch einfach mal eine geschlagene Viertelstunde auslachen dürfen.

Und ich möchte zornig sein auf Leute, die glauben, dass ein anderer etwas für sie zum Guten ändert.

Dieses Thema ist verdammt wichtig und die Auseinandersetzung damit hat mir in den letzten Jahren auch dabei geholfen, feministische Themen aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten. Vor allem möchte ich mich jeden Tag daran erinnern, dass ich meine eigene introvertierte Komfortzone regelmäßig verlassen sollte. Weil das Spaß machen kann. Weil es manchmal nicht anders geht. Und weil ich mir ein Leben, in dem meine Komfortzone dieselbe ist wie vor zwei oder drei oder fünf Jahren, irgendwie nicht so richtig vorstellen kann.

Und deshalb werde ich in Zukunft besser auf meinen Körper und seine unmissverständlichen Signale hören. Denn alles andere ergibt keinen Sinn, weder für mich, noch für meine Umwelt, kurzfristig nicht, langfristig schon gar nicht. Ich möchte darüber schreiben. Häppchenweise. Damit Menschen um mich herum besser aufeinander acht geben.

Zum Abschluss sollte hier eigentlich ein Zitat aus Laurie Helgoes Buch „Introvert Power“ stehen, das beschreibt, wie großartig wir Introvertierten sind. Ich habe mich dazu entschlossen, eine andere Stelle zu zitieren.

Although introverts typically go in for energy, there is another kind of energy that comes when „in“ meets „out“, when yin meets yang. The realease of this energy, called Qi oder Chi in the Taoist tradition, underpins Jung´s theory of introversion-extroversion. According to Jung, integrating opposites within the personality not only brings a person closer to wholeness, but frees up life energy. The more a person is able to tolerate paradox in search of truth, the less energy will be spent defending a rigid position.

(Es gibt viele gute Stellen in dem Buch. Bestimmt werde ich in Zukunft noch die ein oder andere zitieren. Und wenn ihr an dem Thema in irgendeiner Weise interessiert seid, würde ich mich freuen, wenn ihr mir einfach einen Kommentar hinterlasst, den Text teilt mit Menschen, die das ebenfalls interessieren könnte, oder euch einfach im Stillen darüber freut.)

7 Monaten ago

6 Comments

  1. Eigentlich möchte ich mir nur im Stillen über deinen Text freuen, aber davon bekommst du ja nichts mit, und weißt dann nicht, wie gut es mir irgendwie tat, diesen Text zu lesen. Auch, oder gerade (?), weil es kein fröhlicher, alles wird gut, Text ist.
    Also danke dafür. Ich vermute, das Geschriebene muss noch ein bisschen in mir arbeiten, bis es so richtig verarbeitet ist, aber ich wollte dir schon einmal kurz zeigen, dass sich jemand drüber freut, diese Texte zu diesem Thema zu lesen.
    LG Lexa

  2. Dankeschön für deine Rückmeldung. Ich weiß noch gar nicht, wie ich an die einzelnen Punkte rangehen soll. Dass es dich und vielleicht den ein oder anderen auch noch interessiert, stimmt mich schonmal zuversichtlich. Es ist halt echt ein schwieriges Thema und beim Schreiben ein schmaler Grat zwischen „es ernst nehmen, sich vielleicht auch selber informieren, dazu lernen“ und „sich angegriffen fühlen“ (aus Sicht der Extrovertierten). Vielleicht hilft es mir, wenn meine einzige Priorität ist, Leute auf ihre eigene Introversion aufmerksam zu machen, statt den Extrovertierten irgendetwas zu erklären. Das passiert dann vielleicht eher so nebenbei.

  3. das ist ein extrem toller artikel und der zweite diese woche zu dem thema (und der zweite, überhaupt, insgesamt, den ich lese). ich glaube für mich gerade hier antworten gefunden zu haben und stelle fest, dass ich mich dringend in diese richtung weiter informieren sollte. danke für deine wort, für deinen mut darüber zu reden und ich wünsche dir all die kraft und energie, die du brauchst, um künftig mehr für dich einzustehen.

    1. Ich freu mich sehr, dass ich da bei dir ein bisschen was angestoßen habe. Vielleicht geht es dir jetzt wie mir und dich packt die Lust, jeden einzelnen jemals dazu geschriebenen Text zu lesen, so war das jedenfalls bei mir damals.

  4. Ja, ja und ja!
    2006 oder 2007 war mein Panikattackenjahr und es gab damals fast nichts darüber zu lesen. Ich war mir sicher, es kann nur ein körperliches Problem sein – ich meine, wenn es immer nachts kommt und man plötzlich keine Kontrolle mehr über seine Blase hat und das Gefühl hat, einen Herzinfarkt (oder zwei) zu bekommen, denkt man wirklich, es geht zu Ende und das kann doch unmöglich aus dem Kopf kommen, oder?! Ich habe meine Lektion auch gelernt.

    Generell, mich fand man als Kind und Jugendlicher schon seltsam und heute auch noch – der Unterschied ist, dass ich es damals geglaubt habe, denn wenn „alle“ normal sind, *musst* du doch die Verrückte sein. Ich habe als Jugendliche lange versucht, meine extrovertierte Maske zu perfektionieren und wie du sagst: es gibt ja auch Sachen, die Spaß machen auch wenn andere Menschen involviert sind, nur dass ich Spaß oft anders definiere als andere.

    Ich will dich aber auch gar nicht groß zutexten hier. Es ist großartig, während seines Lebens Menschen zu treffen, die das gleiche „Problem“ haben.. es ist nicht leicht, sie zu finden, denn viele tragen täglich ihre Masken und man will ja auch seine Ruhe haben. Danke für diesen Text!

    Achso, falls das auch interessant für dich ist bzw. du es noch nicht kennst: Mir hat ja mal ein Psychologe erklärt, warum ich so seltsam bin (es wurde vermutet, dass ich Autist bin oder zumindest im Spektrum): komischer Persönlichkeitstyp. Es war super in eine Schublade gesteckt zu werden (und dann war der Fall erledigt), aber generell war es total interessant darüber zu lesen und hat mir tatsächlich geholfen, mich besser zu verstehen. https://de.wikipedia.org/wiki/Myers-Briggs-Typenindikator
    (Das Ganze ist nicht furchtbar ernst zu nehmen und es ist nicht wirklich anzuraten, so einen Test im Internet zu machen und unbedingt für bare Münze zu nehmen… aber das Thema an sich und gerade über die Zusammenwirkung von Introversion, Extraversion. Empathie und Intuition zu lesen, war damals sowas wie eine Erleuchtung für mich und meinen verwirrten Kopf.)

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