Im Porzellanladen #3

Minutenlang eine Kinderzeichnung betrachten, um herauszufinden, wie es um die Zukunft des Landes steht. Auf ein Danke warten, wie jemand, der gerade erst geboren wurde, obwohl zwei oder drei kluge Menschen gesagt haben, dass das sinnlos ist. Dem Wort Ent-Täuschung neu begegnen. Immer wieder den gleichen Test nicht bestehen. Sich fragen, ob die das eigentlich wirklich nicht wissen, die Institutionen, so nenne ich das jetzt mal, ob die das nicht wissen, wie sehr sie eingreifen, über Umwege, in das Leben von Familien, in den Schlafrhythmus, in die Gedanken, in die Regale in den Schränken in den Küchen der Menschen.

Ich will über Müdigkeit schreiben, aber man kann über Müdigkeit gar nicht so gut schreiben, denn wenn man das Bedürfnis hat, über Müdigkeit zu schreiben, bedeutet das, dass man selber müde ist und da wo früher ununterbrochen halbe Sätze durch meine Adern flossen, fließt heute nur gelegentlich ein bisschen Buchstabensuppe.

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Überall begegnen einem kompetente Frühaufsteher, die auf alles eine Antwort haben. Ich will mal einem begegnen, der die Antwort nicht kennt, sich aber traut, ein paar Fragen zu stellen. Ich will mal einen treffen, der noch erschöpfter ist als ich. Der beim Haaretrocknen nach dreißig Sekunden den Föhn ablegen muss, weil der Arm so weh tut. Ich will mal einem freundlichen Menschen begegnen, der das auch wirklich so meint. Nicht dieser Knigge-Scheiß. Einem der neben mir sitzen bleibt und wissend nickt, wenn ich davon erzähle, dass die Gesellschaft im allgemeinen dazu neigt, menschliche Stärken in Klassen einzuteilen. In chaotischen Situationen einen kühlen Kopf bewahren, das ist eine Stärke erster Klasse. Gute Beobachtungsgabe besitzen, um solche Situationen möglicherweise verhindern zu können, das ist eine Stärke zweiter Klasse. Manche Personen besitzen beides und dann wünscht man sich, dass etwas davon auf einen selbst abfärbt, aber Wünsche haben einen Menschen noch nie weitergebracht. Das einzige, was Menschen weiterbringt ist das Überwinden der Telefonangst.

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Mit welcher Geduld Leute einander dabei zuschauen können, wie ihnen alles um die Ohren fliegt. Mit welcher Ruhe und Gelassenheit sie sich unter den Zaunpfählen begraben lassen, die auf ihre Köpfe herunter regnen. Mir ist das nie bewusst gewesen. Dass auch die anderen erschöpft sind. Zu erschöpft, um zwischen den Zeilen zu lesen. Zu müde für die Fußnoten. Aber auch zu erwachsen um es so nach außen zu tragen, wie ich es nach außen trage. Und so lassen sie einander im Glauben, man wäre mutterseelenallein auf dieser Welt.

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Dinge, die man mal gemacht haben sollte:
Sich mit Menschen umgeben, die besser sind als man selbst, in jeglicher Hinsicht.
Die Person, die dir letzte Nacht im Traum begegnet ist, fragen, ob sie dasselbe geträumt hat.
Den Satz „Dafür bin ich nicht zuständig.“ laut aussprechen und dem Drang widerstehen, sich nun auf ewig selbst zu hassen.
Nur Grautöne fotografieren. Mausgrau. Stahlgrau. Rauchblau. Hellgrau. Mittelgrau. Dunkelgrau.
Die Whatsapp-Gruppe verlassen.

 

 

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