„Wer einst geglaubt hat, am Ende werde alles gut werden, der lässt sich auch davon überzeugen, dass am Ende nichts gut wird. Wer einst nichts getan hat, weil er den Fortschritt für unausweichlich hielt, kann weiterhin untätig bleiben, weil er glaubt, die Zeit bewege sich in wiederkehrenden Zyklen.
Beide Positionen, Unausweichlichkeit und Ewigkeit, sind antihistorisch. Das Einzige, das zwischen ihnen steht, ist die Geschichte selbst. Die Geschichte ermöglicht es uns, Muster zu erkennen und Urteile zu fällen. Sie skizziert für uns die Strukturen, innerhalb derer wir nach Freiheit streben können. Sie offenbart Momente, von denen jeder anders und doch keiner völlig einzigartig ist.
Wenn man einen Moment versteht, so erkennt man die Möglichkeit, Mitschöpfer eines anderen Moments zu sein. Geschichte erlaubt uns, verantwortlich zu sein: nicht für alles, aber für etwas.
Der polnische Dichter Czeslaw Milosz war der Ansicht, eine solche Vorstellung von Verantwortung wirke Einsamkeit und Gleichgültigkeit entgegen. Geschichte verschafft uns die Gesellschaft derer, die mehr als wir getan und erlitten haben.“
(Timothy Snyder – Über Tyrannei – 20 Lektionen für den Widerstand)
1 Monat ago

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.