Unter der Maske

Wenn wir uns nicht so zeigen wie wir sind und wenn wir dann abgelehnt werden, dann atmen wir erleichtert auf, dann klopfen wir uns selbst auf die Schulter, denn es ist ja Gott sei Dank nicht unser wahres Selbst, das abgelehnt wurde. Es ist ja nur die Maske, die wir für andere aufsetzen. Dieses Ding, das kneift, das an einigen Stellen zu groß und an anderen Stellen zu klein ist. Unser wahres Selbst liegt behütet unter dieser Maske, im Dämmerschlaf und leicht überfressen. Es leidet unter Sauerstoffmangel, aber es weiß nicht, dass es unter Sauerstoffmangel leidet, es ist lange nicht mehr barfuß gelaufen und etwas blass um die Nase. Aber wenigstens wurde es kein einziges Mal gesehen und deshalb auch kein einziges Mal abgelehnt. Nur wenn jemand kommt und uns bittet, tief ein- und auszuatmen, dann fällt uns auf, dass dort wo unser Gesicht endet und die Maske beginnt, in diesem kleinen Raum, die Luft viel zu dünn ist.

***

Oberhalb des Knies hatte sich eine Druckstelle gebildet. Zugegeben, ich hab nach einer Erklärung gegoogelt. Nicht besonders intensiv, aber ich hab gegoogelt, und eine Woche lang fühlte ich mich beim Blick auf das Bein immer wieder unbehaglich. Irgendwann fiel mir auf, dass ich schon seit Stunden mit dem linken Bein angewinkelt am Schreibtisch sitze. Dass ich mir offenbar seit Wochen selber mit der Armlehne eine Delle ins Bein gesessen habe. So gründlich, dass das Gewebe sich auch ein halbes Jahr später noch nicht wieder zurück gebildet hatte.

***

Man kann nicht im ersten Raum stehen, während man im zweiten Raum eine Tür zum dritten Raum aufmacht. Man muss erst die Tür zum zweiten Raum öffnen. Das klingt vollkommen logisch und auch banal. Und wie alles scheinbar Banale vergessen wir es manchmal.

1 Monat ago

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.