Nussknacker und Komapatienten

Adventszeit. Ich zünde mehr Kerzen an als früher. Entweder weil ich jetzt wirklich ein Kerzenmensch bin oder weil ich der Dunkelheit da draußen einfach nur etwas entgegen setzen möchte. Ich werde wach, es ist kalt, ich trinke eine Tasse Kaffee, schließe kurz die Augen, schon dämmert es, ich hole jetzt sogar Kerzen mit Vanilleduft aus der Schublade, soweit ist es jetzt schon, ich war nie Vanilleduftmensch, bis auf die drei Wochen im Jahr 1998, als in allen Drogeriemärkten des Landes „Vanilla Kisses“-Deo ausverkauft war.

Olaf Scholz ist jetzt jedenfalls Kanzler. Einige Menschen finden, er ist nicht charismatisch genug. In Leibstadt hat ein Atomkraftwerkmitarbeiter des Monats mehr als 200 Strahlenprotokolle gefälscht. Und in Tirol rammte ein Busfahrer gestern einen Rettungswagen, weil er ein Problem mit „Blaulichtorganisationen“ hat. Ich glaube, der Atomkraftmitarbeiter ist müde und der Busfahrer ist einsam. Und Olaf Scholz ist charismatisch, nur vielleicht nicht in dieser Welt.

Ich wusste nicht, dass Menschen in Deutschland eine tiefe Sehnsucht nach Charisma haben. Ich dachte, dieser Wunsch beginnt erst, wenn man die Grenze zwischen Österreich und Italien überquert hat. Aber ich weiß so vieles nicht über die deutsche Seele, die offenbar tiefer fühlt und klarer sieht und mehr weiß als die anderen Seelen in den anderen Ländern. Der Deutsche hat seine kosmische Energie, seine überwältigende universelle Strahlkraft bisher recht gut versteckt in den Innentaschen irgendeiner schmucklosen Übergangsjacke. Irgendwann im letzten Jahr, es muss zwischen der zweiten Welle und dem dritten Advent gewesen sein, sind wir eingeschlafen in der Hoffnung, dass die Deutschen mit ihrer Fertigungsstraßenmentalität und ihrem feinen Gespür für Zucht und Ordnung das mit der Pandemie schon hinkriegen. Und nun wachen wir auf, ein Jahr später, und stellen fest: Da ist keine Ordnung, da ist nur „Gespür“.

Der Deutsche wirkt seltsam mechanisch mit all seinem Gespür. Wie ein Nussknacker steht er da, spricht von Toleranz, von Freiheit, von Verbundenheit, berührt mit dem linken Arm sanft den rechten Arm seines Kameraden – und hat im denkbar ungünstigsten Moment den Mut sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Sucht mit neu erwachtem Bewusstsein nach Begriffen in seiner nach allen Seiten offenen Wortschatzkiste, um seiner Transformation vom passiven Konsument zum aktiven Widerstandskämpfer einen angemessenen Namen geben zu können. Er meidet rechte Winkel und linke Gehirnhälften. Er lehnt sich weit aus dem Fenster, beantwortet jede Frage, die man ihm stellt mit der gleichen Antwort und verdeckt den dringend notwendigen Blick auf die Menschen, die sich wirklich echte Sorgen machen.

Ich möchte die „Jeder ist für sein eigenes Wohlbefinden selber verantwortlich.“-Schallplatte, die diese Leute gerne abspielen, wirklich gerne unhinterfragt weiterlaufen lassen. Ich sehe die Vorteile. Kurzfristig für den Einzelnen. Wenn dieser Gedanke dich aus dem Wachkoma in die Selbstwirksamkeit bringt, finde ich ihn super. Selbstwirksamkeit ist der nächste Schritt, den ich tue, unabhängig von anderen. Selbstwirksamkeit ist: Ich bewege einen kleinen Teil der Welt, mich selbst und einen Zipfel, der noch an mir dran hängt, aber wo höre ich auf und wo fängt der andere an?

Wenn die Menschen, die sich momentan an der Stimmung in diesem Land bereichern, einfach nur ehrlich und aufrichtig dazu aufrufen möchten, mit mehr gesunder Skepsis und Gestaltungwillen und mit weniger passiver Konsumhaltung durch das eigene Leben zu gehen, dann finde ich das gut und wichtig. Notwendig. Es gibt in diesem Land zu viele Wachkomapatienten. Vielen fehlt die Zeit und die Möglichkeit und die Motivation, mal einen Gang runterzuschalten und sich zu fragen: Was will ich eigentlich, was macht mir Freude, wie und wo bringe ich mich ein, wen und was brauche ich, um zufrieden zu sein?

Wir sollten also eine Gesellschaft schaffen, in der so wenige Menschen wie möglich im Wachkoma landen und in der wir andere dabei unterstützen, sich aus ihrem eigenen Koma zu lösen. Und in der wir akzeptieren, dass es immer Leute geben wird, die freiwillig in der „Geburt, Kindergarten, Aprés-Ski-Party, Tod.“-Schleife bleiben wollen.

Wenn Menschen aus einem Koma erwachen, fehlt ihnen die Orientierung. Im übertragenen wie im wörtlichen Sinn. Da muss jemand sein, der ihnen sagt, wo sie jetzt sind, in welchem Raum das Bett steht, in dem sie liegen, was passiert ist, wie lange sie in diesem Zustand gewesen sind. Jemand wird fragen „Weist du, wie du heißt? Kennst du dein Geburtsdatum?“ Nach langer Zeit aufwachen, allein, das will niemand.

Das Problem ist, und hier kommt jetzt die Esoterik ins Spiel, manchmal holen Menschen dich mit sanfter, etwas priesterlicher Stimme aus dem Koma, helfen dir, dich aufzurichten und bringen dich dann langsam und ganz achtsam den Flur entlang in einen neuen Raum, um dich dort direkt wieder in ein neues Koma zu versetzen. An den Wänden kleben Wandtattoos von der ganz schlimmen Sorte. Du wirst künstlich ernährt. Babybrei für dein inneres Kind, der dir das Gefühl gibt, endlich ganz Herr über deine Sinne zu sein und jederzeit die Wahl zu haben. Wer schläft, urteilt nicht und die Person wird dir erklären, dass diese neutrale, urteilsfreie Haltung ein gutes Zeichen ist. Ein Zeichen von Stabilität. Urteile sind etwas schlechtes, sie sind unreif. Wer urteilt, ist unsicher.

Wie geistig beweglich bist du noch, wenn du es schaffst, aus diesem Koma, dieser Konditionierung zu erwachen? Wirst du überhaupt wieder daraus erwachen? Welche bleibenden Schäden wirst du ein Leben lang mit dir herumtragen?

Wenn deine Intuition ausgeprägt genug ist, wird dein Körper dir, bevor du den Raum betrittst, die Tür schließt und sanft unter Anleitung in das nächste Koma hinübergleitest, Signale geben. Du wirst Panik bekommen, du wirst heulen, du wirst dich hinsetzen müssen und an deinem Selbstwert zweifeln. Und du wirst eine Weile dort sitzen zwischen diesen beiden Zimmern.

Es gibt Menschen, die lange dort sitzen. Menschen, die nur ein paar Wochen dort sitzen. Menschen, die die Kraft haben sich direkt beim Betreten des Flures loszureißen und in die entgegen gesetzte Richtung zu stürmen. Ich hab fast zwei Jahre dort gesessen. Ohne Energie. In einer Zeit, in der ich die Energie hätte gebrauchen können. Und weil ich mich nicht bewegen konnte, habe ich den Menschen, die andere in den zweiten Raum schleppen, zugehört, hab beobachtet, viel gelesen, Gespräche geführt, viel gelernt, vielleicht mehr als jemals zuvor.

Ich hab oft über die Härtefälle im ersten Raum den Kopf geschüttelt. Ihre scheinbare Stumpfsinnigkeit, ihre Oberflächlichkeit, ihre Erwartungen aneinander, ihre Zwänge, wie sie vor jedem Schaufenster stehen bleiben, um sich zu betrachten, und gleichzeitig nie in den Spiegel schauen. Die Gesellschaft, die Medien, die Politik macht es uns sehr leicht, immer wieder den Kopf zu schütteln.

Aber ob wir es glauben oder nicht, jeder von uns wird in diesen ersten Raum hinein geboren. Wenn man das Glück hat, einen leichten Schlaf zu haben, ist der Weg aus diesem ersten Koma, dieser Kultur, die unserer Kreativität und unserer Zufriedenheit und unserer inneren Ruhe so oft im Weg steht, nicht so schwerfällig. Aber jeder von uns hält sich in diesem Raum auf. Viele verlassen ihn nie.

Die Menschen in diesem überfüllten ersten Raum sind mir nahe. Ich schüttele nicht mehr so kräftig und Augen rollend den Kopf über sie. Immer dann, wenn ich es doch tue, weiß ich, ich schüttle gerade auch über mich den Kopf. Ich hab mir, als ich wieder aufstehen konnte, einen Stuhl neben die Tür gezogen, mir im Geschenkeladen einen Plüsch-Zonk gekauft und sitze hier neben der Tür, die meistens angelehnt ist. In Zimmer Nr. 1 sind die Menschen aufrichtiger. Aufrichtig müde, aufrichtig genervt, aufrichtig leicht ablenkbar, aufrichtig stumm, aufrichtig verzweifelt.

Sie sind mir näher als die, die in den zweiten Raum geführt werden. Und viel näher als die, die mit ihren heilenden Kräften oder wie auch immer man es nennen mag, andere in diesen Raum führen. Im ersten Raum gibt es einige gute und manchmal sehr viele schlechte Zeiten. Auf der anderen Seite, in Raum Nr. 2, gibt es keine schlechten Zeiten. Nur schlechte Reaktionen. Dort gibt es diese Aufrichtigkeit nicht. Dort ist den Menschen der Verstand gebunden, während sie liebevoll auf Menschen hinunterschauen, denen manchmal tatsächlich die Hände gebunden sind. Auch wenn sie mehrmals täglich hören, dass sie wirklich alles schaffen können, wenn sie nur wollen.

Ich sitze zwischen diesen beiden Räumen, im Flur, das Gesicht leicht in die eine Richtung geneigt, und richte meine Sinne in die andere Richtung. Was heckt heckt sie aus, wie beschreibt sie die Welt, wie erklärt sie sich heute ihre Privilegien, die spirituell erleuchtete Blase. Ich höre zu. Ich präge mir jedes kleine Detail ein. Ich will mir, wenn ich mal so ein richtig schlechtes Print-on-Demand-Buch darüber schreibe, wie Rom, also unsere Solidargemeinschaft, untergegangen ist, nicht zu viel herbeifantasieren, sondern mich an Tatsachen orientieren. An diesen satten, bildungsbürgerlichen Menschen, die wirken, als hätten sie die Transformation der Menschheit bei Wish bestellt.

Manchmal schließe ich die Augen und tue so, als würde ich vor mich hindämmern, hinterlasse einen möglichst unauffälligen Eindruck. Denke mir meinen Teil. Hoffe, dass ihn niemand von denen für mich mitdenkt, sondern jeder bei seinem Teil bleibt, dass sie mein Schweigen nicht als Zustimmung interpretieren. Frage mich, was passieren würde, wenn wir unsere Teile zusammen legen würden. Würde es, wie man so schön sagt, ein Bild machen?

Die Menschen, die da drüben im zweiten Raum unter einer künstlichen Wärmelampe in dem Bett liegen, voller Vertrauen zu denen, die sie dort hingebracht haben, die sind nicht das Problem. Das Problem ist, dass jeden Tag erschöpfte Menschen im ersten Raum aufwachen oder für immer dort liegen bleiben und wir alle zu ohnmächtig sind all die Ursachen dieser Erschöpfung anzupacken. Und das Problem sind die Menschen, die sich als Alternative dazu und aus welchen Gründen auch immer dazu berufen fühlen, mit einem unsichtbaren ideologischen Grundgerüst im Nacken diesen Raum zu betreten, die Menschen an die Hand zu nehmen, sie auf den Flur und in den zweiten Raum zu bringen.

Löst die Leute gern von der Maschine, schüttelt ihnen das Kissen aus und bringt sie in den Flur. Und lasst sie selbst entscheiden. Von mir aus drückt ihnen mit den Worten „Ich würde dich gern bekehren, will dir das aber nicht so offen sagen, weil das die Erfolgsquote versaut. Hier sind einige Informationen dazu.“ eine Broschüre in die Hand. Mehr nicht. Flure sind übrigens wunderbar, weil man durch sie hindurch gehen muss, um andere Räume zu betreten. Niemand sagt „Ich will in den Flur.“, aber die meisten müssen zwangsläufig durch den Flur. Sie haben eine Orientierungsfunktion. Wer im Flur steht, ist in Bewegung. Wer in einem Raum steht, glaubt angekommen zu sein, bis er gähnt oder Hunger bekommt oder ihm die Blase drückt.

Bringt die Menschen einfach nur in den Flur. Keinen Schritt weiter. Bringt ihnen eine dünne Suppe aus dem Automat, aber bringt ihnen bitte um Gottes Willen nicht die Erleuchtung. Bitte hört auf, den Schwachen ohne zu fragen eine Stimme zu geben und Menschen mit ins Boot zu holen, während ihr offenbar völlig genervt von denen seid, die besonders laut um Hilfe schreien. Die Leute haben bereits eine Stimme. Vielleicht müssen sie sich mehrfach räuspern, vielleicht sind sie nicht so laut wie du, aber vom Schweigen der Lämmer doch weit entfernt. Und was sollen sie eurer Meinung nach tun, neben dem Boot, im Wasser? Voller Dankbarkeit den herabschauenden Schäferhund üben, während ihr ihnen weiterhin mit wedelnden Schwänzen eure Kalendersprüche vorjault? Das sind Ablenkungsmanöver.

Wir brauchen einladende Flure mit Sitzbänken und Snackautomaten und Bücherregalen. Und Sicherheitspersonal. Das ist ein unschönes Wort, wenn man von Freiheit träumt, aber jetzt gerade braucht es jemanden, der den Zugang zu diesem baufälligen System, in dem wir leben, im Blick hat und die Fähigkeit besitzt, Helfer von Helfersyndrom zu unterscheiden.

Jemand, der da steht und zu den unbarmherzigen Samaritern sagt: „Du bist doch einer von denen, die ständig die Leute aufwecken und in den anderen Raum bringen. Weist du was? Wir wollen hier demnächst umbauen, weil ja ganz offensichtlich schon seit Jahrzehnten das ganze Gebäude im Arsch ist und du würdest uns hier nur im Weg herumstehen, während wir mit Klemmbrettern und einem ganz ganz fürchterlichen materialistischen Weltbild im Gepäck, von dem du jeden Tag profitierst, während du dich in die gute alte Zeit zurücksehnst, durch die Gänge irren und die Schäden begutachten. Beobachten, wie sie zusammen hängen. Entscheiden, wer für die Reparatur in Frage kommt.“
„Ja, aber was ist denn mit meinem Antrag, die Toilettenstühle durch Klangschalen und die Hausmeister alle durch ganzheitliche Lifecoaches zu ersetzen?“
„Der wurde abgelehnt. Mehrfach.“
„Das mit dem neuen Wandtattoo und den Sprüchen, die man sich als Screenshot aufs Handy laden kann?“
„Auch.“
„Sie sind toxisch. Ich gehe.“

Ich möchte mit diesem Text niemandem seine positive Grundeinstellung oder den Zugang zur eigenen Spiritualität schlecht machen. Ich finde meinen gerade langsam wieder und das tut gut. Ich weiß, dass man sich selber völlig entkräften kann, wenn man jeden freundlichen Ratschlag von Menschen falsch interpretiert und Neutralität mit mangelndem Interesse am Weltgeschehen gleichsetzt. Aber wir laufen hier mit einem großen blinden Fleck herum. Das Mindeste, was wir tun können ist, Menschen mit weniger Kraft, weniger Privilegien, weniger Möglichkeiten nicht allein zu lassen und nicht auszunutzen, um im Namen des Mitgefühls unsere eigene Position zu untermauern.

Matthew Remski, der gemeinsam mit Derek Beres und Julian Walker seit Mai 2020 den sehr empfehlenswerten Conspirituality Podcast produziert, wo wöchentlich die Verbindung zwischen rechten Verschwörungsideologien und linken Wellness-Utopien betrachtet werden, fasst das Problem auf seiner Homepage ganz gut zusammen. Dort steht: „It can ring hollow when we learn that spirituality, like the unconscious, can be a broken space: We can think we’re practicing to heal our wounds, even as we deepen them. We can love teachers and methods that might be toxic to us. We can easily confuse the sensations of transcendence and trauma. We can feel like we’re loving people and saving the world while we’re really retrenching privileges of race, gender, and class, as well as ignoring the destruction that surrounds us.“

Wer sich näher damit befassen möchte und gerne Artikel oder Bücher lesen möchte, die sich dem Thema aus unterschiedlichen Richtungen nähern – hier ist eine kleine Auswahl.

I´m a life coach, you´re a life coach: the rise of an unregulated industry (Guardian)
Meditieren, heilen, Juden hassen (Zeit)
The toxic rise of toxic positivity (Dr. Dean Burnett)
Self-help gurus like Tony Robbins have often stood in the way of social change (Washington Post)

Edgar Cabanas & Eva Illouz – Das Glücksdiktat: Und wie es unser Leben beherrscht
Glück lässt sich lernen. Das will uns die boomende Glücksindustrie weismachen. Und so explodiert seit den neunziger Jahren die Zahl der Glücksseminare, Glücksratgeber und Happiness-Indizes. Heute liegt es an uns selbst, negative Gefühle zu blockieren, uns selbst zu optimieren und Achtsamkeit zu praktizieren. Dann – so das Heilsversprechen – kommt auch das Glück. Doch was bedeutet es für unsere Gesellschaft, wenn der Staat sich zunehmend nicht mehr für soziale Gerechtigkeit oder ein funktionierendes Gesundheitssystem zuständig fühlt und den Bürgerinnen und Bürgern einer ultra-individualistischen Gesellschaft die gesamte Verantwortung für das eigene Schicksal übertragen wird? Die israelische Soziologin Eva Illouz und der spanische Psychologe Edgar Cabanas beschreiben in ihrem scharfsinnigen Essay erstmals das gefährliche Potential, das sich hinter der millionenschweren Glücksindustrie verbirgt – und zeigen auf, wer die Nutznießer und wer die Verlierer dieses vermeintlich positiven Trends sind.

Ronald E Purser – McMindfulness (How Mindfulness became the new capitalist spirituality)
„Mindfulness is now all the rage. From celebrity endorsements to monks, neuroscientists and meditation coaches rubbing shoulders with CEOs at the World Economic Forum in Davos, it is clear that mindfulness has gone mainstream. Some have even called it a revolution. But what if, instead of changing the world,mindfulness has become a banal form of capitalist spirituality that indlessly avoids social and political tranformation, reinforcing the neoliberal status quo?

Amanda Montell – Cultish (The Language of Fanaticism)
What makes “cults” so intriguing and frightening? What makes them powerful? The reason why so many of us binge Manson documentaries by the dozen and fall down rabbit holes researching suburban moms gone QAnon is because we’re looking for a satisfying explanation for what causes people to join—and more importantly, stay in—extreme groups. We secretly want to know: could it happen to me? Amanda Montell’s argument is that, on some level, it already has . . . Our culture tends to provide pretty flimsy answers to questions of cult influence, mostly having to do with vague talk of “brainwashing.” But the true answer has nothing to do with freaky mind-control wizardry or Kool-Aid. In Cultish, Montell argues that the key to manufacturing intense ideology, community, and us/them attitudes all comes down to language. In both positive ways and shadowy ones, cultish language is something we hear—and are influenced by—every single day.

Andreas Speit – Verqueres Denken: Gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus
Sie gehen für »die Freiheit« auf die Straße: Bei den Querdenken-Demonstrationen und Corona-Protesten laufen Impfgegner:innen neben QAnon-Anhänger:innen, Esoteriker:innen neben Rechtsextremen, die Peace-Fahne flattert neben der Reichsflagge. Dieses Miteinander kommt jedoch nicht zufällig zustande. Wer sich für den Schutz von Natur und Tieren einsetzt, vegane Ernährung und Alternativmedizin bevorzugt, seine Kinder auf Waldorfschulen schickt oder nach spiritueller Erfüllung sucht, muss nicht frei von rechtem Gedankengut und Verschwörungsfantasien sein. Andreas Speit zeigt, dass in alternativen Milieus Werte und Vorstellungen kursieren, die alles andere als progressiv oder emanzipatorisch sind.

Heike Kleffner und Matthias Meisner (Hg.) – Fehlender Mindestabstand: Die Coronakrise und die Netzwerke der Demokratiefeinde
In den Anti-Corona-Protesten wurde deutlich, wie tief inzwischen die Skepsis gegenüber parlamentarischer Demokratie und wissenschaftlichen Erkenntnissen in ganz unterschiedlichen Teilen der Bevölkerung verankert ist: Impfgegner, Klimawandelleugner, Verschwörungstheoretiker, Reichsbürger und Neonazis marschieren nebeneinander – ohne Abstand. Dieses Buch analysiert das Phänomen einer erschreckend breiten Allianz: von neuen und alten Feinden einer aufgeklärten Gesellschaft und des demokratischen Rechtsstaats. Dabei werden auch Entwicklungen in Frankreich, den USA oder Österreich in den Blick genommen.Matthias Meisner und Heike Kleffner haben zahlreiche Expertinnen und Experten versammelt, die sich fundiert den einzelnen Gruppierungen und Milieus widmen, deren Vernetzung aufzeigen und vor den Auswirkungen einer antidemokratischen Welle im Gefolge der Coronakrise warnen.

The Happiness Industry: How the government and big business sold us well-being
In winter 2014, a Tibetan monk lectured the world leaders gathered at Davos on the importance of Happiness. The recent DSM-5, the manual of all diagnosable mental illnesses, for the first time included shyness and grief as treatable diseases. Happiness has become the biggest idea of our age, a new religion dedicated to well-being. In this brilliant dissection of our times, political economist William Davies shows how this philosophy, first pronounced by Jeremy Bentham in the 1780s, has dominated the political debates that have delivered neoliberalism. From a history of business strategies of how to get the best out of employees, to the increased level of surveillance measuring every aspect of our lives; from why experts prefer to measure the chemical in the brain than ask you how you are feeling, to why Freakonomics tells us less about the way people behave than expected, The Happiness Industry is an essential guide to the marketization of modern life. Davies shows that the science of happiness is less a science than an extension of hyper-capitalism.

1 Monat ago

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